3900 Menschen: Neuer Höchststand in Traiskirchen

Das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen
APA/HELMUT FOHRINGER

Das Erstaufnahmezentrum erreicht einen neuen Rekord. Fast 4000 Menschen warten derzeit auf einen Platz in den Ländern. Laut Prognosen erreichen Österreich heuer insgesamt mehr als 80.000 Asylwerber.

Die Situation im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen wird immer prekärer. Rund 3900 Menschen waren mit Stand Mittwochabend im Erstaufnahmezentrum untergebracht. Im Innenministerium bestätigt man einen neuen Höchststand in der aktuellen Flüchtlingswelle. „So eine Situation hatten wir noch nicht“, so ein Sprecher. Auch die Prognosen, wie viele Asylwerber nach Österreich flüchten werden, wurden mittlerweile nach oben revidiert: „Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann haben wir laut Hochrechnung über 80.000 Asylwerber in diesem Jahr“, so der Ministeriumssprecher. Anfang Juni wurde noch mit 70.000?Personen gerechnet.

1600 müssen im Freien schlafen

Von den 3900 Menschen in Traiskirchen hat nicht einmal die Hälfte einen Platz in einer festen Unterkunft (1820 Menschen), 480 Personen schlafen in Zelten. Der Rest, also rund 1600 Asylwerber, muss im Freien übernachten. Auf Decken, die sie unter Bäume legen, in Schlafsäcken entlang der Mauer, oder wo sie sonst einen Platz finden.
Die Situation betrifft auch junge Menschen.Rund 1650 von den 3900 in Traiskirchen sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, also meist Jugendliche, die allein auf der Flucht waren oder von ihren Eltern getrennt wurden. Auch rund 280 Kinder sind in Traiskirchen mit ihren Eltern untergebracht. Täglich, heißt es aus dem Innenministerium, kämen circa 350 Asylwerber hinzu.

Nicht mit Bosnienkrieg vergleichbar

Den Vergleich, dass Österreich zur Zeit des Bosnien-Krieges 90.000 Menschen aufgenommen hat, hört man im Innenministerium nicht gern. Diese 90.000 seien, so der Sprecher, verteilt auf drei Jahre nach Österreich gekommen, nicht in einem Jahr. Laut Aufzeichnungen waren übrigens 1956, während der Ungarn-Krise, schon einmal 6000 Menschen in Traiskirchen untergebracht. Die Situation von damals sei aber mit der heutigen nicht zu vergleichen, so der Sprecher.
Eine Entlastung in Traiskirchen ist nur etappenweise in Sicht. Ab Montag, 20. Juli, sollen zwar die Verteilerzentren aufsperren, die in Zukunft die Rolle des Erstaufnahmezentrums übernehmen sollen. Ob das funktionieren wird, wird sich freilich erst zeigen.