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Meinungsforschung auf Knopfdruck

Die Malediven versinken langsam. Die UNO untersucht Meinungen zum Klimawandel.(c) EPA
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Im Auftrag der UNO entwickeln Medientechnologen der Modul University Vienna neue Echtzeitverfahren. Mit ihnen sollen sich Einstellungen und Stimmungen zum Klimawandel analysieren lassen.

Niemand weiß, wie lang es die Malediven oder Seychellen noch gibt. Sie liegen nur wenige Zentimeter über dem Meeresspiegel. Das birgt die Gefahr, dass sie in 50 Jahren von der Landkarte verschwunden sind. Inselbewohner werden Klimaflüchtlinge. Die UN-Klimakonferenz wird im Dezember 2015 in Paris noch einmal versuchen, diese Entwicklung aufzuhalten. Mit natürlichen und nachhaltigen Entwicklungspfaden versucht das United Nations Environmental Programme (UNEP), die weitere Belastung des Klimas und damit den Anstieg der Meere aufzuhalten.

 

Trends in öffentlicher Meinung

„Dazu braucht es detaillierte Informationen darüber, welche Trends sich in der öffentlichen Meinung zu solchen Maßnahmen abzeichnen“, sagt Arno Scharl, Leiter des Instituts für Neue Medientechnologie an der Modul University Vienna und mit der Umsetzung des UN-Forschungsprojektes beauftragt. Deshalb entwickeln die Forscher Technologien, mit denen Entscheidungsträger und Öffentlichkeit weltweit über Sprachgrenzen hinweg besser verstehen, was und wie umweltpolitisch gedacht wird. Außerdem kann die Aufmerksamkeit für Themen, auch geografisch, analysiert werden. Die Ergebnisse der Analysen werden grafisch aufbereitet. „Wir können in Echtzeit Erkenntnisse von Wissenschaftlern, Nichtregierungsorganisationen, Politikern, Unternehmen sowie aus den sozialen Medien erfassen. In den letzten zwei Monaten waren dies in Summe zwölf Millionen Dokumente zum Thema Klimawandel“, beschreibt Scharl die Informationsflut. Alle eingehenden Dokumente werden beschlagwortet und auf Relevanz geprüft.

„Unser System kann zwischen negativen und positiven Postings unterscheiden. So erfahren wir, welche Einstellungen Menschen zu bestimmten Themen haben.“ Auch ein Vergleich zwischen der Bevölkerungsmeinung zum Klimaschutz und Informationen aus wissenschaftlichen Dokumenten ist möglich. Entsprechend können Informationskampagnen der UNO angelegt werden. Das heißt, Aufklärung soll dort betrieben werden, wo die Widerstände hoch sind.

 

Vom Weißen Haus beauftragt

Mit seiner WebLyzard-WebIntelligence-Plattform war das Forscherteam bereits 2014 eingeladen, an US-Präsident Barack Obamas Climate Action Plan mitzuarbeiten. „Wir wurden vom Weißen Haus beauftragt, Informationen aus 13 Regierungsagenturen über eine Suchmaschine öffentlich verfügbar zu machen,“ so Scharl.

Das EU-geförderte Forschungsprojekt Pheme geht noch weiter und soll den Wahrheitsgehalt von Gerüchten im Web überprüfen. Auf Basis einer Analyse von Ursprung und Verbreitung einer Meldung sollen Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit gezogen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2015)