VW: Porsche scheinbar zu Zugeständnissen bereit

VW Porsche
VW Porsche(c) AP (Michael Probst)
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Porsche-Chef Wiedeking soll bereit sein, dem Land Niedersachsen bei einer Fusion die gleichen Rechte wie bisher einzuräumen. Unterdessen könnte mit dem Emir von Katar ein neuer Investor ins Spiel kommen.

Für die geplante Fusion mit VW ist der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche Medienberichten zufolge zu etlichen Zugeständnissen bereit. In Berichten von "Spiegel" und "Focus" hieß es am Wochenende übereinstimmend, der neue Autokonzern solle seinen Hauptsitz in Niedersachsen haben, entweder in Wolfsburg oder Hannover. Laut "Spiegel" ist Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zudem bereit, Niedersachsen in dem neuen Unternehmen die gleichen Rechte zuzugestehen, die das VW-Gesetz dem Bundesland bisher gewährt. Damit bliebe dessen Sperrminorität gewahrt. VW und Porsche lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

Ein Porsche-Sprecher sagte am Samstag lediglich, die Verhandlungen über den neuen Autokonzern sollten wie geplant in der neuen Woche beginnen. Die Porsche-Eigner, die Familien Porsche und Piech, hatten sich vor wenigen Tagen auf einen Zusammenschluss mit Europas größtem Autohersteller verständigt, um die durch die VW-Übernahme entstandene Finanzlücke zu schließen. Auf Porsche lasten durch die Übernahme von 51 Prozent an VW Nettoschulden von neun Milliarden Euro. Dagegen verfügte VW im Automobilgeschäft zuletzt über eine Netto-Liquidität von fast elf Milliarden Euro. Aus VW und Porsche soll nun ein integrierter Autokonzern mit zehn Marken entstehen.

Emir von Katar als Investor?

Wie die Machtverteilung dann im Detail aussehen wird, ist noch unklar. Laut "Spiegel" sollen die Familien Porsche und Piech auch im neuen Unternehmen die größten Anteilseigner werden. Wiedekings Konzept sieht demnach vor, dass die Familien je nach Bewertung zwischen 45 und 55 Prozent der Aktien halten könnten. Das Land Niedersachsen käme auf einen Anteil zwischen 21 und 25 Prozent. Der "Focus" brachte neben Niedersachsen noch einen anderen Investor ins Spiel - "womöglich" sei dies der Emir von Katar, berichtete das Magazin ohne Nennung von Quellen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hatte sich unlängst offen für einen Einstieg eines arabischen Investors bei VW gezeigt.

Das finanzstarke Emirat Abu Dhabi signalisierte am Wochenende kein konkretes Interesse. Zwar würden Investitionen rund um den Erdball geprüft, sagte der Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Said al-Mansuri, am Samstag anlässlich eines Treffens mit seinem deutschen Amtskollegen Karl-Theodor zu Guttenberg. Angesprochen auf Porsche fügte er aber lediglich an, er wisse nichts "über die detaillierte Lage".

VW-Gesetz soll weiter gelten

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach sich unterdessen in einem Interview der "Welt am Sonntag" dafür aus, den neuen integrierten Autokonzern zu einer Aktiengesellschaft zu machen. "Eine Fusion mit neuer Dachgesellschaft ist aus meiner heutigen Sicht eher unwahrscheinlich, weil wir diesen Weg mehr als kritisch sehen", sagte er der Zeitung. Die Schutzregelungen des VW-Gesetzes würden dann nicht mehr greifen. Das gelte insbesondere für Entscheidungen im VW-Aufsichtsrat zum Bau oder zur Verlagerung von Produktionsstätten, die nicht gegen den Willen der Arbeitnehmer fallen könnten. "Wir wollen, dass die deutsche Mitbestimmung, unsere internationalen Arbeitnehmervertretungen und vor allem die Schutzrechte der VW-Belegschaft, die das VW-Gesetz bietet, unverändert Bestand haben."

Zugleich übte Osterloh scharfe Kritik an den Machtkämpfen der vergangenen Wochen. Die Belegschaften und das Management müssten sich endlich wieder dem eigentlichen Geschäft widmen, betonte er und stellte sich ausdrücklich hinter die VW-Spitze sowie Aufsichtsratschef Ferdinand Piech. Volkswagen schlage sich in der Krise deutlich besser als die Konkurrenz. "Und deshalb müssen wir den Erfolgsweg unseres Chefs Martin Winterkorn gemeinsam mit aller Kraft weitergehen."

VW-Kreisen zufolge gilt es als wahrscheinlich, dass der neue integrierte Autokonzern am Ende von Winterkorn geführt wird und nicht von Wiedeking. Laut "Focus" könnte es aber auch einen lachenden Dritten geben: In einflussreichen Firmenkreisen werde Audi-Chef Rupert Stadler als Kompromisskandidat gehandelt, berichtete das Magazin.

(APA)

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