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Kleine Episoden aus dem Naziland

Bei der Gedenkfeier im KZ Ebensee wurden Besucher angegriffen – ein Sicherheitsproblem.

Es ist peinlich und beschämend. Bei der Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Ebensee mussten Holocaust-Überlebende Sieg-Heil-Rufe ertragen. Damit nicht genug, vier Vermummte haben offenbar eine Besuchergruppe aus Frankreich im Besichtigungsstollen des Lagers angegriffen. Zwei Franzosen sollen von Plastikgeschossen getroffen und verletzt worden sein. Das weiß die Polizei, die den Schutz der Gäste nicht gewährleisten konnte, aus Medienberichten. Die betroffenen Besucher haben so reagiert, wie man reagiert, wenn man zu einem offiziellen Anlass in Österreich eingeladen wird und von Neonazis angriffen wird: Sie sind sofort abgereist.

Am selben Tag wurde eine absurde Episode eines Tiroler Hoteliers publik. Der Mann hatte jüdische Gäste abgelehnt, weil er schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht habe. (Vor der Synagoge in Wien? In Israel? In der NS-Zeit?) Das passt ins mediale Bild eines Landes, das Probleme mit Vergangenheit und Antisemitismus hat. (Dass es in Österreich Hotels gibt, die sich auf orthodoxe jüdische Gäste spezialisiert haben, berichtet keiner.)

Nur Einzelfälle, könnten wir sagen und auf das gute Verhältnis zwischen jüdischer Gemeinde und Republik hinweisen, und dass junge – hoffentlich dumme – Provokateure daran nichts ändern dürfen. Könnten wir; besser wäre es, wenn Sicherheitsmaßnahmen und/oder Angst vor Reaktionen das Risiko solcher Vorkommnisse gegen null senkte. Und vielleicht sagen wir es alten und neuen Nazis mit einem Satz, den sie sonst verwenden: Irgendwann muss einmal Schluss sein... (Bericht: S.9)


rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2009)