ImPuls: Schnitt in Zitronen und ins eigene Fleisch

ImPulsTanz Akemi Takeya
ImPulsTanz Akemi Takeya "Lemonism x Actionism"(c) KarolinaMiernik/ImPulsTanz

Akemi Takeya malträtiert in ihrer Performance „Lemonism x Actionism“ Früchte und sich selbst.

Bedächtig malt sich Akemi Takeya mit schwarzer Farbe an. Sie ist noch nicht bereit für ihre Performance, in deren Verlauf sie das Schwarz mit Zitronensaft abwaschen, mit einem Messer von der Haut kratzen, mit einem kräftigen Biss in den Arm verschmieren wird. Dann betritt sie den Kreis aus 72 aufgespießten Zitronen, die im Ambiente der Aktionistenschau im Mumok sinnbildlich für den Körper bzw. für Körperteile aufgestellt sind.

Entschlossen schneidet Takeya eine Zitrone durch, hebt sie sich über das Gesicht und lässt den Saft in ihr aufgerissenes Auge laufen: Wie Tränen einer Frucht, die zu menschlichen Tränen werden. Und so geht es weiter. Saft wird in die Haare massiert, fließt über frisch geritzte Wunden, über die Vulva. Zitronen und Körper werden malträtiert, bis man schon beim Anschneiden der nächsten Frucht das unbehagliche Gefühl hat, dass es wehtun könnte. Die Wahrnehmung des leblosen Objekts und des lebenden Körpers beginnen auf seltsame Weise zu verschmelzen. Nach jedem Akt steht Takeya beherrscht da und beendet den Vorgang mit einer kleinen, typisch japanischen Verbeugung in Richtung der Videokamera, die alles in Großaufnahme auf Leinwände überträgt. So wird „Lemonism x Actionism“ tatsächlich Teil der Wiener-Aktionismus-Ausstellung, deren Videos und Fotos auf den anderen Bildschirmen rings herum zu sehen sind. Ein belebender Akt, wenn auch befremdlich. (i.w.)

Akemi Takeya bei ImPulsTanz: „Lemonism x Actionism“ (25. 7., Mumok), „Little Stories about S.O.S“ (5., 7., 8. 8., Kasino am Schwarzenbergplatz).

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