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Pflegereform: Kritiker werden mehr

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser kann die Kritik ihrer ehemaligen Gewerkschaftskollegen an der neuen Pflegeausbildung nicht nachvollziehen.(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Künftig soll es drei Arten von Pflegern geben. Das gefällt nicht nur der Gewerkschaft nicht. Änderungen im Gesetzesentwurf sind nicht ausgeschlossen.

Wien. Die Liste der Kritiker der – geplanten – neuen Pflegeausbildung wird täglich länger. Nach dem Gesundheits- und Krankenpflegeverband, einigen Hilfsorganisationen und der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft lehnt auch die zuständige Fachgewerkschaft den Gesetzesentwurf von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) ab.

Der Vorsitzende der ÖGB-Fachgruppenvereinigung Gesundheits- und Sozialberufe, Josef Zellhofer, und der Vizechef der Gesundheitsgewerkschaft Vida, Willibald Steinkellner, sprachen dem Vorhaben am Montag die Qualität ab. Schnell und billig solle es offensichtlich gehen, weshalb für den gleichen Tätigkeitsbereich gleich drei Berufsgruppen vorgesehen seien: Da wären dann die diplomierten Pflegefachkräfte mit universitärer Ausbildung, die Pflegefachassistenten und die Assistenten der Assistenten, Pflegeassistenz genannt, so die beiden beiden Gewerkschafter in einer gemeinsamen Aussendung.

Zellhofer und Steinkellner bedauern, „dass der Entwurf vorwiegend die Handschrift der Länder und der Ärztekammer trägt“, und empfehlen Oberhauser eine „dringende Überarbeitung“, damit die Ausbildung der Pflegekräfte auch wirklich verbessert werden könne.
Die Ministerin zeigte sich ob der Kritik verwundert, habe doch die Gewerkschaft stets die Überführung der Pflegeausbildung in den universitären Bereich gefordert. Allerdings schließt Oberhauser nicht aus, dass es nach der Begutachtung noch zu Änderungen komme – wenn auch nur in Detailfragen, wie man in ihrem Büro betont.

Die Reformpläne der Ministerin sehen eine dreigliedrige Ausbildung vor: Pflegehelfer werden in Pflegeassistenten umbenannt und von administrativen, hauswirtschaftlichen und logistischen Aufgaben befreit. Die Ausbildungsdauer bleibt bei einem Jahr. Neu eingeführt wird der Zweig des Pflegefachassistenten, der mehr Kompetenzen als der Pflegehelfer hat. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und soll durchlässig sein. Die gehobenen Pflegefachkräfte (derzeit: diplomierte Pflegekräfte) werden nicht mehr an den Krankenpflegeschulen ausgebildet, sondern nur noch an Fachhochschulen. So soll die Ausbildung international vergleichbar werden.

 

Umsetzung in Etappen

Für das Dreistufenmodell führt das Ministerium mehrere Gründe an: Pflegehelfer seien derzeit mit administrativen und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten überfrachtet. Gleichzeitig übernähmen Angehörige des gehobenen Dienstes Aufgaben, die nicht ihrer Qualifikation nach einer dreijährigen Ausbildung entsprechen. Da die meisten, auf Länderebene geregelten Sozialbetreuungsberufe aber die einjährige Ausbildung zur Pflegehilfe – künftig Pflegeassistenz – inkludierten, sei es sinnvoll, diese Dauer beizubehalten. Allerdings habe man sich entschlossen, eine Zwischenstufe, die Pflegefachassistenz, einzuführen. Das sei eine „praktikable Lösung“.

Die Begutachtung endet am 4. September. Die Reform soll dann in Etappen umgesetzt werden: Die Ausbildung in den beiden Pflegeassistenzberufen beginnt im September 2016. Die Überführung des gehobenen Pflegedienstes an die Fachhochschulen (FH) soll im Jahr 2024 abgeschlossen sein. (pri)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2015)