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"Schwarzer Freitag": Amnesty wirft Israel Kriegsverbrechen vor

Unzählige Zivilisten starben am
Unzählige Zivilisten starben am "Schwarzen Freitag" in der Stadt Rafah.APA/EPA/MOHAMMED SABER
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"Starke Beweise" deuten darauf hin, dass Israel während des Gaza-Krieges 2014 Kriegsverbrechen begangen habe, berichtet Amnesty International.

"Es gibt starke Beweise, dass israelische Truppen durch ihre unerbitterlichen und massiven Bombardements auf Wohngebiete in Rafah Kriegsverbrechen begangen haben." So heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, über das Vorgehen Israels während des Gazakrieges im Sommer 2014.

"Unverhältnismäßig" und "wahllos" seien die Boden- und Luftangriffe auf die Stadt Rafah im Gazastreifen gewesen. Damit habe Israel die Verschleppung des israelischen Soldaten Hadar Goldin "um jeden Preis" rächen wollen, sagte Philip Luther, Direktor des Nahost- und Nordafrika-Programms von Amnesty International.

135 tote Zivilisten

Am 1. August 2014, einem Freitag, wurde Goldin während einer Feuerpause von Hamas-Kämpfern nahe der Stadt Rafah im Gazastreifen verschleppt. Die Armee erklärte ihn später für tot. In den vier Tagen nach der Entführung beschoss Israel die Region massiv. Dabei wurden Amnesty zufolge mindestens 135 Zivilisten getötet - darunter 75 Kinder.

Aufgrund der Feuerpause kehrten damals viele Palästinenser in dem Glauben, die Stadt sei sicher, wieder in ihre Häuser zurück. Ohne Vorwarnung habe Israel noch am selben Tag mit den Angriffen begonnen - obwohl sich unzählige Menschen und Fahrzeuge auf den Straßen befanden, berichtet Amnesty. In Rafah wurde dieser Tag später als "schwarzer Freitag" bekannt.

Für die Untersuchung habe Amnesty tausende Fotos und Videos, Satellitenbilder und Zeugenaussagen ausgewertet. Amnesty forderte die Israelische Regierung am Mittwoch auf, den Verdacht auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu untersuchen.

"Scheinheiligkeit und Doppelmoral"

Isreal bestreitet die Vorwürfe allerdings. Emmanuel Nahshon, Sprecher des israelischen Außenministeriums, nannte den Bericht auf Twitter eine "Demonstration der Scheinheiligkeit und Doppelmoral". Amnesty habe eine "falsche Darstellungsweise" konstruiert, die die "professionellen Standards" Amnestys "ernsthaft in Frage stellen". Die israelische Armee war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Insgesamt 50 Tage lang hatten Israel und militante Palästinenser im Sommer 2014 gekämpft. Mehr als 2200 Palästinenser, darunter rund 1500 Zivilisten, und mehr als 70 Israelis wurden getötet.

Netanyahu plant 300 neue Siedlerwohnungen

International umstritten sind auch die Siedlungspolitik Israels im besetzten Westjordanland. Am Mittwoch hat Israel nun den Bau von 300 weiteren Siedlerwohnungen genehmigt. Die Arbeiten in Beit El könnten "sofort" beginnen, hieß es aus dem Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Zudem seien die Planungen für 504 Wohnungen im besetzten Ostjerusalem genehmigt worden.

Ähnliche Ankündigungen der israelischen Regierung in der Vergangenheit waren international auf heftigen Widerstand gestoßen. Die Regierung unter US-Präsident Barack Obama betrachtet Israels Siedlungspolitik im seit 1967 besetzten Ostjerusalem sowie im Westjordanland als eines der größten Hindernisse für einen Friedensvertrag zwischen Israelis und Palästinensern.

(APA/maka)