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Was wir alle gegen Menschenhandel tun können

Am Welttag gegen Menschenhandel gilt es, Hoffnung zu geben.

Konflikte, Terrorismus, wirtschaftliche Turbulenzen, Naturkatastrophen, Krankheiten: Eine Rekordzahl an Menschen flüchtet derzeit vor Krieg und Verfolgung. Wir leben in einer Zeit beispielloser Krisen und Unruhen, wie UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte. Für Menschenhändler freilich bedeuten all diese Schwierigkeiten riesige Geschäftschancen.

Viele Millionen Frauen, Männer und Kinder werden grausam ausgebeutet und gezwungen, in Fabriken, auf dem Feld und in Bordellen zu arbeiten; oder auf der Straße zu betteln. Sie werden in bewaffnete Kämpfe oder in Zwangsehen getrieben; es wird gehandelt, um ihre Organe zu verkaufen.

Immer öfter sind Kinder Opfer von Menschenhandel, besonders minderjährige Mädchen. Kein Platz auf der Welt ist sicher: Der jüngste Weltbericht über Menschenhandel des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) stellte fest, dass die in 124 Staaten identifizierten Opfer aus 152 verschiedenen Ländern stammten.

Die Welt steht vielen gravierenden Herausforderungen gegenüber, und unsere Ressourcen sind begrenzt. Aber wir können Kriminellen nicht erlauben, die Krisen auszunutzen und aus der Verzweiflung und dem Leid vieler Menschen Vorteile zu ziehen.

 

Druck auf die Gesetzgeber

Sie fragen sich vielleicht, was jede einzelne Person gegen dieses Verbrechen tun kann. Als ersten Schritt können Sie sich und andere über Menschenhandel informieren. Dazu finden Sie mehr auf der Website www.unodc.org/endht.

Sie können Gesetzgeber und Unternehmen drängen, dieses Verbrechen ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln. Für Regierungen bedeutet das, der UN-Konvention gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität und dem Zusatzprotokoll für Menschenhandel beizutreten und dieses umzusetzen, um Opfer zu schützen und sicherzustellen, dass Menschenhändler vor Gericht gebracht werden. Als Konsument, Angestellter oder Unternehmer können Sie für Maßnahmen eintreten, die den Einsatz von Zwangsarbeitern in Betrieben und Versorgungsketten verhindern und missbräuchliche und betrügerische Rekrutierungspraktiken, die zu Menschenhandel führen, eliminieren.

 

Was die Nepalesin Skye erlebte

Letztendlich können Sie Regierungen, Unternehmen und Individuen ermutigen, den Freiwilligen Treuhandfonds der Vereinten Nationen für Opfer des Menschenhandels zu unterstützen. Dieser Fonds, der nur durch freiwillige Beiträge finanziert wird, arbeitet mit NGO-Partnern auf der ganzen Welt zusammen. Seit 2011 hat er rund 2000 Opfern jährlich geholfen, sowie Unterkünfte, medizinische Grundversorgung, Berufsausbildung und psychologische, rechtliche und finanzielle Unterstützung geboten.

Der Treuhandfonds konnte Mädchen wie Skye helfen, die nach Indien verkauft wurde, als sie 13 war. Nach ihrer Flucht zurück nach Nepal suchte sie bei der NGO Shakti Samuha Hilfe. Sie brachte den Menschenhändler vor Gericht und machte ihren Schulabschluss. Jetzt ist sie Mitarbeiterin bei Shakti Samuha und hilft anderen Opfern des Menschenhandels. Es gibt viel mehr junge Menschen wie Skye, die unsere Unterstützung brauchen und verdienen.

Am 30. Juli ist Welttag gegen Menschenhandel. An diesem Tag wollen wir den Opfern Hoffnung geben und versprechen, unseren Teil dazu beizutragen, diesem schrecklichen Verbrechen ein Ende zu setzen. Machen Sie bei der #igivehope-Kampagne mit und zeigen Sie den Opfern von Menschenhandel ihre Solidarität.

Jurij Fedotow (*1947 in Saratow) ist seit Juli 2010 Exekutivdirektor des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) mit Sitz in Wien.

E-Mails an:debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2015)