Automobil: Umbau für die Zeit nach der Autokrise

Citroen C3 Picasso
Citroen C3 Picasso(c) EPA (IAN LANGSDON)
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In der Slowakei stellen die Autobauer ihre Produktion auf kleinere Modelle um.

pressburg. Nicht nur in den USA gleichen derzeit viele der „alten“ Automobilproduzenten unheilbaren Patienten, denen mit staatlichen Injektionen das schwache Leben nur wenig verlängert wird, ohne sie dauerhaft zu retten. Die drei großen Automobilwerke in der Slowakei sehen die weltweite Krise dagegen als Zukunftschance, da sie allesamt zu den weltweit modernsten und flexibelsten Autofabriken gehören. Mitten in einer Absatzkrise rüstet sich die eben erst aus ihrem Boom gerissene slowakische Automobilindustrie für die Zeit danach. Gerade durch den erwarteten Wegfall mancher weniger flexibler Konkurrenten hofft sie, letztlich als Gewinner aus der internationalen Flurbereinigung auszusteigen.

Die nötigen Vorbereitungen dafür trifft jeder der drei Konzerne auf seine Weise schon jetzt. Volkswagen Slovakia bereitet mit einer Investition von 300 Mio. Euro die Produktion des neuen Kleinwagenmodells mit der vorläufigen Arbeitsbezeichnung „Up!“ für die drei Markenvarianten VW, Skoda und Seat in Pressburg (Bratislava) vor.

Zur technischen Umstellung wird eine einwöchige Produktionsstilllegung genützt, die wegen der Absatzprobleme für die teuren Luxusautos, die derzeit in Pressburg montiert werden, eingelegt wurde. Überraschend war die Entscheidung nicht: Die Slowakei galt für den Volkswagen-Konzern seit Jahren als Vorzeigestandort. Gerade deshalb war ja die Produktion der Prestigeautos VW Touareg, Porsche Cayenne und Audi Q7 dorthin verlegt worden.

Schrottprämie hilft Peugeot

PSA Peugeot-Citroën in Trnava sieht sich hingegen schon jetzt als Gewinner der Verschrottungsprämien in Deutschland, Frankreich und anderen Hauptabnehmerländern. Mitten in der weltweiten Automobilkrise muss der westslowakische Standort sogar schon jetzt die Arbeitszeit um eine Wochenstunde verlängern, um der Nachfrage nachkommen zu können. Auch wenn der Effekt der Verschrottungsprämien rasch verpuffen dürfte, sieht sich Trnava mit seinen Kleinwägen Peugeot 207 und Citroën C3 Picasso in einem guten Trend, wenn Sparsamkeit auch langfristig eine größere Rolle beim Autokauf spielen wird.

Und Kia Slovakia in Zilina will in der zweiten Jahreshälfte die Testproduktion für ein neues Modell starten, das ab kommendem Jahr in Serie gehen soll. Das Kia-Werk hatte zu Beginn der Krise gerade erst die Serienproduktion des ersten Automodells begonnen. Der Schock durch die Krise hatte daher in Zilina nicht Produktionsrückgänge, sondern nur eine Verlangsamung der Expansion bewirkt: Im Jahr 2008 wurden in Zilina um 38 Prozent mehr Autos produziert als 2007.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2009)

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