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Klagsflut wegen der Causa Madoff

Kolportierter Schaden liegt bei 700 Mio. Euro. Treffen mit Hampel ohne Erfolg.

Wien. (höll). Auf die Bank Austria kommt in der Causa „Madoff“ eine Klagsflut zu. Die Anwälte konzentrieren sich in erster Linie auf die Bank Austria, weil von der ebenfalls in die Affäre verwickelten Wiener Bank Medici nur wenig Geld zu holen ist. Dabei geht es um die sogenannten Primeo-Fonds, die von der Bank Austria initiiert und dem mutmaßlichen New Yorker Betrüger Bernhard Madoff zur Veranlagung überlassen wurden, heißt es in der Klage des Prozessfinanzierers AdvoFin. Inzwischen springen immer mehr Juristen auf den Zug auf. Es geht bei Primeo um einen kolportierten Schaden von 700 Mio. Euro.

Die Wiener Anwaltskanzlei HLMK prüft rechtliche Schritte wegen irreführender Angaben im Fondsprospekt. So wurden die Primeo-Papiere von Madoff gemanagt, ohne dass dies den Kunden offengelegt wurde. Die Fondsgelder sollen fast zu 100 Prozent in diverse Madoff-Produkte veranlagt gewesen sein. In den Fondsbestimmungen hieß es dagegen, dass maximal 20 Prozent bei einem Manager investiert werden.


Irreführende Angaben?

„Aufgrund des Prospekts konnte das Publikum davon ausgehen, dass das Risiko durch eine sorgfältige Auswahl mehrerer Manager und durch Investitionen in verschiedene Wertpapiere diversifizert wird, weil nicht mehr als 20 Prozent der Gelder bei einem einzelnen Emittenten investiert werden“, lautet der Vorwurf.

Zudem gibt es Werbeunterlagen zu den Primeo-Fonds, in denen die Anlagestrategie erklärt wird. Demnach war der Fonds auch in qualitativ hochwertige Aktien wie Coca-Cola, IBM und Microsoft investiert. Madoff wurde mit keinem Wort erwähnt. Die Fonds waren in Österreich ganz offiziell zum Vertrieb zugelassen.

Dem Vernehmen soll ein Treffen von Bank-Austria-Chef Erich Hampel mit betroffenen Kunden keine Annäherung gebracht haben. Das Institut weist alle Vorwürfe zurück. „Wir sind davon überzeugt, dass wir alle gesetzlichen Informations- und Aufklärungspflichten im Zusammenhang mit den Primeo-Fonds erfüllt haben. Wir sehen nicht, warum wir für einen der größten Betrugsfälle in den USA mitverantwortlich sein sollten“, heißt es aus der Bank Austria.

Bislang seien erst eine Handvoll Klagen eingelangt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2009)