Freizügige Fotos und eine bizarre Debatte um Homo-Ehe und Meinungsfreiheit machten aus Carrie Prejean eine nationale Berühmtheit. "Wäre sie nicht so schön, hätte sich niemand darum geschert", säuselte Donald Trump.
Donald Trump hat gesprochen, und siehe da, alles ward wieder gut. Der New Yorker Impresario und Baumagnat, als Veranstalter gleichsam „Vater“ der Miss-Wahl in den USA, hat Carrie Prejean noch einmal die Schärpe der „Miss California“ umgelegt, die ihr die Sittenwächter entreißen wollten. Die 21-Jährige, den Tränen nahe, war diesmal nicht leicht geschürzt im Bikini erschienen, sondern wie zur Urteilsverkündung im dunklen Businesskostüm.
Eine bizarre Seifenoper um Homo-Ehe und politische Korrektheit, um freizügige Fotos und Heuchelei hat damit ihr vorläufiges Ende gefunden. Und Trump, im Nebenjob auch Moderator einer eigenen TV-Show, kann zufrieden sein über den PR-Wert einer Affäre, die in den vergangenen Wochen die Kabelsender und Internet-Blogs des Landes beherrscht hat. „Wäre sie nicht so schön, hätte sich niemand darum geschert“, säuselte Trump, ganz großherziger Gönner.
Brisante Frage
Eine scheinbar harmlose Frage, hinter der sich allerdings gesellschaftspolitische Brisanz verbarg, hatte die Sache ins Rollen gebracht. Wie sie denn zur Homo-Ehe stehe, wollte der Juror Perez Hilton, ein für seine Internet-Outings berüchtigtes Tratschmaul, von der Kandidatin beim Finale der Miss-USA-Wahl wissen. In Kalifornien, das sich ansonsten gerne zur Avantgarde zählt, haben die Wähler der gleichgeschlechtlichen Ehe zwar eine Absage erteilt, in anderen Teilen des Landes ist sie dagegen im Vormarsch: Iowa und mehrere Neuengland-Staaten haben einer solchen Partnerschaft inzwischen den Sanktus gegeben.
„Ich glaube, eine Ehe sollte es nur zwischen Mann und Frau geben“, lautete die Antwort Prejeans, die sich selbst als „Model und Christin“ bezeichnet und an einer christlichen Universität studiert. Eine falsche Antwort, wie Prejean hinterher suggerierte: Die „Miss California“ wurde nur Zweite und fühlte sich prompt um den Sieg geprellt. Der Titel ging an „Miss North Carolina“, eine gewisse Kristen Dalton, von der seither niemand mehr spricht.
In der Folge ließ sich Prejean von der konservativen Organisation „National Organisation for Marriage“ für ihre Zwecke einspannen, erschien als Kronzeugin für christliche Werte in TV-Spots und tingelte durch die Talk-Shows, bei denen sie sich als Opfer der Political Correctness hinstellte. Pech nur, dass etwas freizügigere, an sich aber harmlose Fotos aus ihrem Model-Vorleben auftauchten, garniert mit der Enthüllung, sie habe sich von den „Miss-Machern“ eine Brustvergrößerung spendieren lassen.
Dahin war der gute Ruf und die saubere Weste der kalifornischen Blondine. Plötzlich drohte der Verlust der Miss-Titels. Sie hatte zweifach gegen die Vertragsregularien verstoßen. Die untersagen nämlich Nacktaufnahmen und politisches Engagement.
Carrie Prejean witterte eine Schmutzkampagne und setzte sich zur Wehr. Die Fotos, die einen winzigen Teil des Busens entblößten, erklärte sie mit Windstößen am Strand und mit Manipulationen eines heimtückischen Fotografen. Über die Silikonimplantate verlor sie indes kein Wort.
Und schon war die Nation mittendrin in einer heuchlerischen Diskussion. Umso mehr, als sich die Strand-Beauty zur Vorkämpferin für die Meinungsfreiheit aufschwang – eine Debatte, die konservative Meinungsapostel à la Bill O'Reilly von Fox-News begierig aufgriffen.
Satire und Pathos
Verhöhnt von Satirikern, verstieg sich Prejean zur Bemerkung: „Mein Großvater hat im Zweiten Weltkrieg für die Meinungsfreiheit gekämpft.“ Trump verteidigte seinen Schützling damit, dass auch Präsident Obama dieselbe Ansicht zur Homo-Ehe vertrete. Pathosschwanger verlas Prejean ein Statement: „Ich stehe heute als stärkere Frau da.“
Auf einen blick
■Die Debatte um „Miss California“ Carrie Prejean hat ein Ende. In Amerika wurde wochenlang eine Debatte um das Vorleben der 21-jährigen geführt. Missen-Macher Donald Trump verteidigte Prejean.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2009)