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Studie: Junge mit neuem Familienbild

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Männer machen Karriere, Frauen das Essen – diese Stereotype sind zwar noch verbreitet. Laut Ministerin Karmasin ändert es sich aber.

Wien. Sophie Karmasin ist nicht nur Ministerin für Familie und Jugend. Auf Regierungsebene ist sie für die ÖVP auch für Gleichberechtigung verantwortlich, wenn es um Verhandlungen mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) geht. Als ehemalige Motivforscherin hat Karmasin aber auch ein Faible für Statistiken und Befragungen. Daher gab sie eine Studie in Auftrag, die aufzeigen sollte, wie die Bevölkerung zu den Stereotypen der Geschlechter steht. Sprich: Glauben die Österreicher wirklich, der Mann muss Geld verdienen und die Frau auf die Kinder aufpassen?

Die Antwort: Vor allem jüngere Menschen halten von solchen Stereotypen erstaunlich wenig. Zumindest stimmten 94 Prozent der Befragten von 16 bis 29 Jahren folgender Aussage sehr bzw. eher zu: „Die Männer sind genauso für die Kindererziehung verantwortlich wie die Frauen.“ 2010, als diese Altersgruppe bereits in einer ähnlichen Studie befragt wurde, waren es noch 87 Prozent.

Betrachtet man die Aussagen aller 1000 Befragten (im Alter von 16 bis 60 Jahren), finden sich allerdings auch sehr konservative Ansichten. Immerhin finden es 29 Prozent richtig, dass es „die Aufgabe des Mannes ist, Geld zu verdienen, die der Frau, sich um Haushalt und Familie zu kümmern“. Auch solche Ansichten müsse man akzeptieren, meint Karmasin dazu. „Ich maße mir nicht an, darüber zu urteilen, welche Lebensmodelle besser sind.“ Auch das sei die Realität.

 

Väter in Karenz, Frauen in Führung

Allerdings: Gleichzeitig gaben mehr als 90 Prozent der Befragten an, dass Männer genauso wie Frauen für die Kindererziehung verantwortlich sind. 76 Prozent stimmten der Aussage sehr bzw. eher zu, dass es gut sei, „wenn beide Elternteile abwechselnd einen Teil der Zeit in Karenz gehen“.

Karmasins Fazit: Man müsse den Menschen mehr Autonomie über die Entscheidungen ihrer Lebensweisen überlassen. „Meine Politik geht in Richtung Pluralismus.“ Allerdings pocht die Ministerin darauf, dass es mehr Kinderbetreuung geben müsse. Auch für Kinder unter drei Jahren. Außerdem sollten mehr Väter in Karenz gehen und Frauen in Führungspositionen stärker vertreten sein. Erreichen will sie dies durch sanfte Maßnahmen: etwa Vorbildunternehmen vor den Vorhang holen, Selbstverpflichtung einmahnen – und mittels einer Kampagne Stereotype bekämpfen. (ib)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2015)