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Währungen: 50,1 Milliarden Verlust für SNB

(c) REUTERS (DENIS BALIBOUSE)
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Die Aufgabe des Eurokurses von 1,20 Franken brachte der Schweizer Notenbank eine riesige Abwertung ihrer Eurobestände.

Wien. Seit 2011 hatte die Schweizer Notenbank (SNB) Milliarden an Franken gedruckt und dafür Euro gekauft. Damit versuchte sie den Kurs des Franken, der während der Eurokrise zur internationalen Fluchtwährung wurde, künstlich bei 1,20 Franken je Euro zu halten. So sollte die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportwirtschaft geschützt werden, für die ein zu starker Franken Gift ist.

Im Jänner konnte die SNB dem Druck laut eigenen Aussagen aber nicht mehr standhalten. Die Verteidigung des Frankenkurses wurde aufgegeben – und sofort wertete die Schweizer Währung gegenüber dem Euro und anderen Währungen drastisch auf. Dies sorgte nicht nur bei heimischen Franken-Kreditnehmern für Sorgenfalten, weil sich deren Kreditsumme schlagartig um bis zu einem Fünftel erhöht hatte. Auch für die SNB selbst bedeutete der Schritt große Verluste, da sich die Euroabwertung in ihrer Bilanz niederschlug.

 

Gewinne aus Negativzinsen

Im ersten Halbjahr ergab dies einen Verlust von 50,1 Mrd. Franken (47,1 Mrd. Euro), wie die Schweizer am Freitag bekannt gaben. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2014 hatte die SNB noch einen Rekordgewinn von 38,3 Mrd. Franken gemeldet. Allein durch den Anstieg des Franken gegenüber dem Euro ist demnach ein Verlust von 47,2 Mrd. Franken entstanden. Bei den Goldreserven der Notenbank summierte sich das Minus auf weitere 3,2 Mrd. Franken.

Seit Jänner versucht die SNB die Flucht in den Franken durch Negativzinsen abzuschwächen. So müssen für Einlagen bei der Zentralbank zurzeit 0,75 Prozent gezahlt werden. Dies sorgte zwar für keine fundamentale Abschwächung des Franken, brachte der SNB im ersten Halbjahr aber zumindest 530 Mio. Franken an Einnahmen. Für das Gesamtjahr rechnet die Notenbank mit einem Zinsertrag von 1,2 Mrd. Franken.

In Summe betrugen die SNB-Devisenreserven Ende Juni immer noch 516 Mrd. Franken. Mit 42 Prozent war der größte Teil davon in Euro angelegt, weitere 32 Prozent entfielen auf den US-Dollar. Grundsätzlich sind starke Schwankungen beim Ergebnis der SNB nicht ungewöhnlich, da die Zahlen überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängig ist.

Fraglich ist aufgrund des heurigen Milliardenverlusts jedoch, ob Bund und Kantone im kommenden Jahr von der Ausschüttung von SNB-Gewinnen profitieren werden. Diese bedeutende Einnahmequelle droht zu versiegen, wenn die Verluste im Gesamtjahr nicht geringer sind als die Ausschüttungsreserven des Vorjahres von 27,5 Mrd. Franken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2015)