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Stabhochsprung-Unfall: Tragisches Ende großer Träume

Kira Grünberg hielt den österreichischen Rekord und galt als großes Talent.(c) APA/EXPA PICTURES/ANDY MUELLER (ANDY MUELLER)
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Kira Grünberg, 21, bleibt nach dem Trainingsunfall querschnittsgelähmt. Ihr Schicksal rief große Anteilnahme hervor, der Verband sicherte der Familie Unterstützung zu.

Wien. Es ist eine Nachricht mit Schockwirkung: Stabhochspringerin Kira Grünberg, 21, bleibt nach ihrem schweren Trainingsunfall querschnittsgelähmt. Ein tragischer Schicksalsschlag, der das Leben der jungen Tirolerin vor einen schwierigen Neuanfang stellt und die bisherigen Prioritäten, wie den Kampf um Höhen und Limits, schlagartig zu banalen Nebensachen werden ließ. Grünberg und ihre Familie müssen sich nun größeren Herausforderungen stellen, als sie je ein Wettkampf bieten konnte. „Der Weg, der auf Kira wartet, ist ein anderer, langer, schwieriger“, sagte Manager Thomas Herzog.

Derzeit wird Grünberg auf der traumatologischen Intensivstation der Universitätsklinik Innsbruck behandelt. Die 21-Jährige ist bei Bewusstsein und atmet selbstständig, insgesamt ist ihr Zustand stabil, aber ernst.

Genauen Aufschluss über den endgültigen Lähmungsgrad sollen neurologische Untersuchungen in den kommenden Wochen geben. Es sei jedoch „von keinem positiveren Verlauf“ auszugehen, dämpfte Herzog Hoffnungen.

 

Sturz vor Augen der Eltern

Erst letzten August hatte Grünberg mit 4,45 m einen neuen österreichischen Rekord aufgestellt und sensationell den Einzug in das EM-Finale geschafft. Am  Samstag wollte die Athletin, die zuletzt Team-Silber bei den Europaspielen gewann und auch im Rio-Hoffnungskader stand, nach überstandener Knöchelverletzung in Linz ihr Comeback geben und einen neuen Versuch für das WM- und Olympialimit (4,50 m) wagen. Dem kam der tragische Unfall am Donnerstagvormittag zuvor. Zum Verhängnis wurde Grünberg ein Routinesprung über geringe Höhe. „Es war ein ganz normales Training, einer der Anfangssprünge. Kira hat nur acht Schritte gemacht. Bei einem Sprung in den Rekordbereich wären es 16“, erklärte Herzog. Dabei kam die 21-Jährige offenbar aus der Balance, die Rotation über den Stab misslang und sie stürzte vor den Augen von Trainervater Frithjof und der Mutter kopfüber in den Einstichkasten vor der Matte. Sie erlitt einen Halswirbelbruch.

Angesichts der schweren Verletzungen ging es in der folgenden mehrstündigen Notoperation ums Überleben. „Primäres Ziel der OP war der Erhalt der Lebensfunktionen“, bestätigte der Manager. Die Diagnose Querschnittslähmung sei zu dem Zeitpunkt bereits festgestanden.

Stabhochsprung zählt zu den gefährlichsten Leichtathletik-Disziplinen, seit den Todesfällen von US-Nachwuchsathleten vor einigen Jahren wird immer wieder über die Einführung einer Helmpflicht diskutiert. Im Fall von Grünberg hätte ein solcher aber wohl nicht geholfen. „Eine 100-prozentige Sicherheit kann es beim Stabhochsprung leider nie geben. Das ist ein Sport, zu dem eine Risikokomponente gehört“, sagte der Schweizer Verbandstrainer Herbert Czingon, der die Tirolerin mehrmals trainiert hatte, nach dem Unfall.

 

Tiefe Betroffenheit

Die Familie ist laut Herzog geschockt, aber gefasst, und bat um Rücksichtnahme und Ruhe. Die Veröffentlichung der Diagnose war eigentlich erst für nach dem Wochenende geplant gewesen, um noch etwas Zeit für sich zu haben. Dies machte ÖLV-Präsident Ralph Vallon zunichte, der wenig Einfühlungsvermögen bewies und ohne Absprache die Querschnittslähmung bereits am Donnerstag gegenüber Medien verkündete. „Er hat die Familie damit in eine unfassbar unangenehme Situation gebracht“, kritisierte Herzog.

Im gesamten Verband herrschte tiefe Betroffenheit. „Kira, die ganze Leichtathletik- und Sportfamilie ist in Gedanken bei Dir und Deiner Familie“, hieß es auf der Internetseite, und Sportdirektor Hannes Gruber betonte: „Die Auswirkung für unsere Leichtathletik ist vollkommen sekundär. Jetzt geht es nur um Kira. Wir hoffen, dass sich ihr Zustand entgegen der Prognose noch bessern wird.“ Im Namen des ÖLV sicherte er der Familie volle Unterstützung zu, ein Spendenkonto wurde eingerichtet (siehe Profil). Mitgefühl und Anteilnahme zeigten sich auch auf Grünbergs Facebook-Seite, auf der Menschen aus aller Welt der 21-Jährigen Mut und Kraft für die Zukunft zusprachen.

AUF EINEN BLICK

Kira Grünberg, 21, stürzte im Training kopfüber in den Einstichkasten und bleibt nach einem Halswirbelbruch querschnittsgelähmt. Die Tirolerin hielt den ÖLV-Rekord (4,45 m) und galt als zukünftige Olympiahoffnung.

Für Unterstützung bei der Rehabilitation hat der österreichische Leichtathletik-Verband ein Spendenkonto eingerichtet:
Kontowortlaut: TLV − Spendenkonto Kira
IBAN: AT74 2050 3033 0168 2096
BIC: SPIHAT22XXX

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2015)