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Die Hetz der SPÖ-Studenten

Papst und Affe: Wen stört noch die Herabwürdigung einer Religion?

Einige Studierende erregen sich, sonst gibt es aber keine Reaktionen. Weder vonseiten des Staates noch der verantwortlichen Fakultät noch der zuständigen Mutterpartei. Da wird das Spiegelbild des Oberhaupts der katholischen Kirche auf der Titelseite einer an der Uni Wien aufgelegten VSStÖ-Postille mit einem Affen gleichgesetzt. Ein Heidenspaß, haben sich die verantwortlichen SPÖ-Studierenden vielleicht gedacht. Nur nicht mit einer unangenehmen Abmahnung auffallen, dürfte die Meinung der Uni-Lehrer, an deren Fakultät die Zeitschrift vertrieben wird, sein. Das könnte ja Schwierigkeiten mit den lieben aufgeweckten Akteuren bringen.

Hetz hin oder Hetz her: Hier wurde zweifelsohne die tolerierbare Grenze überschritten. Und zwar deutlich. Alles Weitere ist im Paragraf 188 des Strafgesetzbuches, bei dem es um die „Herabwürdigung religiöser Lehren“ geht, unmissverständlich festgeschrieben.

Man sollte sich gar nicht ausmalen, welche Folgen eine derartige Verunglimpfung eines hohen Repräsentanten der islamischen Religion – einer Symbolfigur ähnlich dem Papst in Rom – hätte. Ein Aufschrei und ein strafrechtliches Einschreiten wären die umgehende Folge, abgesehen von weiter gehenden Reaktionen. Wenn christliche Kirchen aber die Zielscheibe sind, dann ist offenbar alles erlaubt.

Es geht nicht darum, den Staatsanwalt auf irgendwelche Postillen-Hersteller anzusetzen. Aber wenn man derartige Verunglimpfungen stillschweigend übergeht, werden sich die Akteure bestätigt fühlen, die nächste Titelgeschichte wird ein Stück weiter gehen. Und für einen bloßen Bubenstreich sind Studierende zudem wohl zu alt.


erich.witzmann@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2009)