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„Tagesschau“ setzt starkes Zeichen gegen Hasspostings

Anja reschke Tagesschau
„So kann es nicht weitergehen“, sagte Moderatorin Anja Reschke in der ''Tagesschau''(c) Screenshot: DiePresse.com
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Die Moderatorin Anja Reschke bezog in der deutschen Nachrichtensendung Stellung gegen fremdenfeindliche Kommentare im Internet. Das Echo auf ihr Statement ist riesig.

„Wenn ich jetzt hier öffentlich sage, Deutschland solle auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen, was glauben Sie, was dann passiert?" Mit dieser – rhetorischen – Frage begann Moderatorin Anja Reschke ihren Kommentar in der deutschen Nachrichtensendung „Tagesschau“ am Mittwochabend. Man würde über ihre Meinung nicht sachlich diskutieren, so die Journalistin. „"Ich bekäme eine Flut von Hasskommentaren. 'Scheiß-Kanacken, wieviele sollen wir noch aufnehmen, sollen abhauen, soll man anzünden', all sowas halt.“

Bis vor kurzem hätten sich solche Kommentatoren noch hinter Pseudonymen versteckt, inzwischen werden solche Hasspostings aber auch unter Klarnamen veröffentlicht, meinte Reschke. Und damit nicht genug. „Auf Sätze wie 'Dreckspack soll im Meer ersaufen' bekommen sie auch noch begeisterten Zuspruch und eine Menge Likes“, so Reschke. „Wenn man bis dahin also ein kleiner rassistischer Niemand war, fühlt man sich da natürlich ganz toll." Es seien inzwischen leider nicht mehr nur Worte, sondern diesen würden auch Taten folgen, so die Panorama-Chefin. Sie sprach damit die Anschläge auf Flüchtlingsheime in Deutschland an. Und: „Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen."

"Mund aufmachen, Haltung zeigen, an den Pranger stellen"

„So kann es nicht weitergehen“, sprach Reschke Klartext. Sie lobte die strafrechtliche Verfolgung solcher Hasstiraden im Internet, aber das alleine reiche nicht. Sie forderte zu Zivilcourage auf: „Die Hass-Schreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kund tut, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen." Der letzte „Aufstand der Anständigen“ sei 15 Jahre her – nun sei es wieder Zeit, meinte Reschke. Sie schloss ihr Statement mit „Ich freue mich jetzt schon auf die Kommentare zu diesem Kommentar“.

Die Journalistin weiß, wovon sie spricht: Sie hatte bereits mit einem Kommentar zum Thema Holocaust eine breite Debatte ausgelöst. Diesmal dürfte das Echo auf das Statement in den sozialen Medien noch größer ausfallen. Bis Donnerstagmittag wurde das Video auf Facebook mehr als 3,2 Millionen Mal aufgerufen und 92.000 Mal geteilt. Die Kommentarfunktion unter dem Video brach zwischenzeitlich zusammen – unter dem Video auf der „Tagesschau.de“-Seite ist die Kommentarfunktion inzwischen geschlossen.

Die Meinungen der User gehen erwartungsgemäß auseinander. Die einen widersprechen der Moderatorin vehement („Die freie Meinungsäußerung ist keine Einbahnstraße“), andere danken Reschke für ihre klaren Worte und schildern ähnliche Erfahrungen. „Ich mache mich gerade auch eher unbeliebt dadurch, dass ich fremdenfeindliche Propaganda hier im Netz kritisch kommentiere“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. „Leider fühle ich mich da sehr in der Minderheit."

„Es gibt schon schöne Trotteln!"

Auch in Österreich sorgte vor Kurzem ein Hassposting unter einem Foto eines Flüchtlingskinds aus Syrien für einen Skandal. Der Schreiber des Postings, ein Lehrling, wurde entlassen. Jener Mann, der das Posting angezeigt hat, wird von Rechtsextremen bedroht, sagte er in einem Interview mit der „ZiB 2“. Auch Armin Wolf, Anchorman der Sendung, fand klare, wenngleich weniger neutrale Worte: „Es gibt schon schöne Trotteln!"

>> "Tagesschau.de"

>> Facebook-Seite der "Tagesschau

Anmerkung der Redaktion:

Wegen fortgesetzer und massiver Verstöße gegen unsere Forenregeln, insbesondere durch hetzerische und rassistische Bemerkungen, musste die Kommentarfunktion zu diesem Artikel deaktiviert werden. Wir bedauern.

 

(her)