In der City Farm Schönbrunn findet das erste Weed Dating statt. Das funktioniert wie Speed Dating – nur, dass nebenbei noch Unkraut gerupft wird.
Um eines gleich klarzustellen: Mit Drogen hat Weed Dating nichts zu tun (wenn man von der euphorisierenden Wirkung der Liebe absieht). Gemeint ist nämlich nicht Weed im Sinne von Marihuana, sondern im Sinn von Unkraut: Weed Dating ist so etwas ähnliches wie Speed Dating – nur nicht verkrampft an der Bar, sondern im Garten, beim Unkrautjäten. Etwas entspannter und auch ein bisschen entschleunigter als das klassische Fünf-Minuten-Blind-Date.
„Man kann sich unterhalten, man muss aber auch nichts sagen. Man hat automatisch ein Gesprächsthema: den Garten, das Gemüse, den Vogel, der vorbeifliegt. Und womöglich einen gemeinsamen Feind: die böse Distel oder so“, sagt Claudia Bernleitner von der City Farm Schönbrunn, die das Weed Dating am 15. August in Kooperation mit dem Nachhaltigkeitsmagazin „Biorama“ veranstaltet. Konkret sieht das so aus: Je zwei Singles rupfen gemeinsam in einem Beet Unkraut – und lernen sich quasi nebenbei kennen. Nach ungefähr zehn Minuten wird getauscht.
Zu jäten gibt es einiges: In der City Farm auf dem Areal der Kammermeierei in Schönbrunn – wo Kaiserin Sisi einst regelmäßig ihr Glas Milch getrunken haben soll – wachsen derzeit auf 4000 Quadratmetern 150 verschiedene Obst- und Gemüsesorten. Ein Drittel des Geländes sind Beete, die Schulen und Kindergärten ein Jahr lang bestellen können. In den Sommerferien passiert da klarerweise nicht viel. „Das ist aber die Haupterntezeit – und auch die Hauptunkrautzeit“, sagt Claudia Bernleitner: „Insofern gab es auch irgendwie einen pragmatischen Grund für das Event.“ Aber einen romantischen natürlich auch. „Es ist doch ein Grundbedürfnis des Menschen zu lieben.“
Sinnlich und lebendig: Der Garten
Wenn man darüber nachdenkt, gibt es wohl kaum einen besseren Ort für die Lieben als den Garten. Nicht nur, weil Garteln momentan auch unter jungen urbanen Menschen boomt. Sondern auch, weil Liebe etwas Sinnliches ist – und wo sonst gibt es so viel für die Sinne als im Garten: die frische Luft, die unterschiedlichen Gerüche, die reifen Brombeeren, die die Teilnehmer auch pflücken dürfen: Sie können – allein (oder noch besser: zu zweit) – den ganzen Nachmittag lang auch durch den Garten streifen, Früchte naschen und auf den Picknickdecken unter den Apfelbäumen plaudern. Außerdem ist es in der Liebe manchmal wie im Garten, sagt Bernleitner: Der Garten ist etwas Lebendiges – ganz wie die Liebe eben. Ohne Geduld, Vertrauen und Loslassen wächst weder im Garten noch in der Liebe etwas. Und letztlich bietet so ein Garten unglaublich viel Schönes – er ist aber natürlich auch Arbeit. Auch ein bisschen wie in einer Beziehung.
Und wenn das noch nicht reicht für die Liebe: Dass man beim Jäten der Beete – je nachdem, aus welcher Richtung der Wind weht – die Löwen aus dem Tiergarten Schönbrunn nebenan brüllen hört, ist auch keine schlechte Voraussetzung fürs Verlieben: Aufregung soll ja die Anziehung fördern.
Ob es beim Weed Dating nun mit der Liebe klappt oder nicht („Bei uns geht es um den Spaß: Vermittlungsgarantie gibt es keine“), vielleicht findet der eine oder die andere ja Gefallen an der City Farm: Neue Freiwillige für die anfallende Gartenarbeit zu finden ist nämlich auch einer der pragmatischeren Gründe für das Event, sagt Claudia Bernleitner. Und mit ein bisschen Augenzwinkern ist da sogar noch einer: „Die Hauptklientel der City Farm sind Kinder. Vor dem Hintergrund der Demografie ist so ein Event also eigentlich eine Art Nachhaltigkeitsprojekt.“
AUF EINEN BLICK
Weed Dating läuft wie Speed Dating, nur beim Jäten. Veranstaltet wird es am 15.August von der City Farm Schönbrunn mit „Biorama“. Anmeldung bis 9. August möglich (weeddating@biorama.at). In Vorarlberg gab es Weed Dating bereits einmal, über den Vetterhof kam die City Farm auf die Idee.
Die City Farm Schönbrunn bietet Work-shops für Kinder und Erwachsene. Beim Junior City Farming können etwa Schulklassen ein Jahr lang ein Beet bestellen.
Web:www.cityfarmschoenbrunn.org
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2015)