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Griechenland Hauptankunftsort für Flüchtlinge

Syrian refugees walk through a field near the village of Idomeni at the Greek-Macedonian border
Syrische Flüchtlinge in der Nähe der griechisch-mazedonischen Grenze(c) REUTERS (ALEXANDROS AVRAMIDIS)
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Griechenland löste Italien als Hauptankunftsort ab. Bis Ende Juli erreichten 130.500 Schutzsuchende die griechische Küste. Tsipras fordert EU-Hilfe.

Erstmals belegen Zahlen, was sich in den vergangenen Monaten bereits abzeichnete: Griechenland hat Italien als Hauptankunftsort für Flüchtlinge abgelöst. Wie der Griechenland-Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks, Giorgos Tsarbopoulos, am Freitag erklärte, erreichten im ersten Halbjahr 124.000 Menschen das Land, bis Ende Juli waren es laut EU-Grenzschutzagentur Frontex fast 130.500.

In Italien kamen im gleichen Zeitraum nach Angaben des italienischen Innenministeriums 98.000 Schutzsuchende an. Während Schlepper zwischen Libyen und der italienischen Küste jedoch zunehmend auf ausrangiert und kaum fahrtüchtige Fischkutter setzen, überqueren viele Migranten die Meeresgrenze zwischen der Türkei und Griechenland in kleinen Holz- oder Schlauchbooten und landen auf den Inseln Lesbos, Chios, Kos und Samos.

"Auf den Inseln herrscht das totale Chaos"

Diese sind mit den Ankommenden jedoch völlig überfordert. Den Schutzsuchenden mangle es an Wasser, Nahrungsmitteln oder auch nur elementarer hygienischer Versorgung, warnte am Freitag UNHCR-Europadirektor Vincent Cochetel. "Auf den Inseln herrscht das totale Chaos", sagte er. Meist müssten die Flüchtlinge schutzlos und unter freiem Himmel schlafen. Auch wenn sie nach einigen Tagen nach Athen weitergeleitet würden, erwarte sie dort das Nichts. Die griechischen Behörden müssten was dagegen tun, anstatt die Verantwortung jeweils immer weiter zu schieben.

Griechenlands Premier Alexis Tsipras rief dann auch umgehend die EU zur Hilfe. "Der Flüchtlingszustrom nach Griechenland geht über das hinaus, was unsere staatliche Infrastruktur zu leisten imstande ist", sagte Tsipras nach einem Treffen mit den zuständigen Ministern. Daher benötige sein Land die Hilfe der EU-Partner, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Reuters. "Jetzt wird sich zeigen, ob die EU eine EU der Solidarität ist oder eine EU, in der jeder nur versucht, seine Grenzen zu schützen."

Die EU ringt seit Monaten um Lösungen im Flüchtlingsproblem. Vorstöße der EU-Kommission, um eine gerechtere Verteilung von Schutzsuchenden in Europa, vor allem aber eine Umverteilung weg von den Erstankunftsländern Italien und Griechenland, scheiterten bisher am Widerstand der EU-Staaten. Zuletzt konnten sich die EU-Innenminister bei ihrem Treffen Mitte Juli in Brüssel lediglich auf die Umverteilung von 32.256 Flüchtlingen aus Italien und Griechenland binnen zwei Jahren auf die anderen EU-Staaten einigen. Österreich gehörte zu jenen Staaten, die sich daran überhaupt nicht beteiligen wollen.

Lage "dringlich"

Die Lage sei "dringlich", sagte EU-Kommissionssprecherin Natasha Bertaud am Freitag. Die Brüsseler Behörde appellierte an die Mitgliedsstaaten, ihre Zusagen zur Unterstützung der EU-Grenzschutzagentur Frontex mit Ausrüstung und Experten umzusetzen. Dazu hatten sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel im April verständigt.

"Vor zwei Monaten haben wir um neue Beiträge gebeten, um die Mission Poseidon (vor Griechenland, Anm.) und unseren Einsatz in Ungarn zu stärken. Unglücklicherweise haben wir bisher nicht Ausrüstung und Grenzschützer in ausreichender Zahl erhalten," monierte Frontex-Vize Gil Arias Fernandez. Zwar hat die EU die Finanzmittel für "Trition" und "Poseidon" kürzlich verdreifacht, nachdem sie zuvor gekürzt worden waren. Trotzdem könne seine Behörde "möglicherweise Staaten, die unsere Hilfe benötigen, nicht unterstützen, solange wir die nötige Ausrüstung nicht haben, sagte Fernandez. "Ich fordere die EU-Staaten dringend auf, mehr Mittel einzumelden" sagte er.

(APA)