Titel oder Tränen, in der spannendsten Titelentscheidung seit Jahren darf sich keiner mehr eine Blöße geben. Für Wolfsburg-Trainer Felix Magath ist die Rechnung einfach: "Noch zwei Siege, dann ist der Drops gelutscht"
Die deutsche Fußball-Bundesliga geht in ihre spannendste Titelentscheidung seit Jahren. Zwei Runden vor Schluss haben noch vier Teams realistische Chancen auf den Titel. Tabellenführer VfL Wolfsburg gastiert am Samstag in Hannover, der punktegleiche Rekordmeister Bayern München versucht, seine um zwei Treffer schlechtere Tordifferenz auswärts gegen Hoffenheim aufzubessern. Auch Hertha BSC (gegen Schalke) und der VfB Stuttgart (gegen Cottbus) hegen noch Titelträume.
"Keiner darf sich eine Blöße geben. Wer jetzt ein Spiel verliert, wird im nächsten Jahr vielleicht im Uefa-Cup spielen", sagte Bayerns Interimscoach Jupp Heynckes, dem neben Luca Toni und dem zuletzt wiedererstarkten Lukas Podolski ("Ich hätte ihn nicht abgegeben") auch Goalgetter Miroslav Klose wieder zur Verfügung steht. Der deutsche Nationalstürmer hatte am Dienstag gegen Leverkusen (3:0) nach überstandener Knöchelverletzung ein Kurzcomeback gegeben und fühlt sich laut eigenen Angaben "bei 80 Prozent".
Ob 80 Prozent genug sind, um Podolski aus der Mannschaft zu drängen, muss Heynckes entscheiden. Podolski, der im Sommer zum 1. FC Köln zurückkehrt, hatte in den vergangenen zwei Spielen zwei Tore und drei Assists für sich verbucht. Das 3:0 gegen Leverkusen war vielleicht das beste Spiel seiner Karriere in München gewesen. "Es ist schade, dass es so lange gedauert hat, bis er diese Leistungen zeigt", sagte Manager Uli Hoeneß. Fehlende Spielpraxis hatte den 23-Jährigen im Winter zur Unterschrift in Köln bewogen.
Einen Abschied gibt es mit Saisonende auch in Wolfsburg - jenen von Trainer Felix Magath, der zu Schalke 04 wechselt. Davor will Magath das Sensationsteam aber noch zum ersten Meistertitel der Clubgeschichte führen. "Noch zwei Siege, dann ist der Drops gelutscht", blickte der 55-Jährige dem Finale entspannt entgegen. Mit dem Brasilianer Grafite (24 Saisontore) und dem Bosnier Edin Dzeko (22) verfügt die VW-Elf über das gefährlichste Sturmduo der Liga, hat aber ihre beiden jüngsten Auswärtsspiele verloren.
Freibier in Berlin
Hinter dem Spitzenduo lauern Hertha mit einem und Stuttgart mit zwei Punkten Rückstand auf ihre Chance. Die Hertha setzt auf ihren exzentrischen Publikumsliebling Marko Pantelic, der seine Probleme mit Trainer Lucien Favre beiseitegelegt hat, und ein ausverkauftes Olympiastadion. Die 74.000 Zuschauer dürfen sich über Freibier freuen, das Hertha-Profi Pal Dardai spendieren muss. Der Ungar hatte vor den letzten fünf Saisonheimspielen gewettet, dass nicht immer mehr als 55.000 Fans kommen werden - weit gefehlt.
Euphorie in Stuttgart
Auch in Stuttgart ist nach zuletzt neun Siegen in zehn Spielen wieder Euphorie ausgebrochen, der VfB bangt vor dem Heimspiel gegen Cottbus allerdings um den Einsatz von Topscorer Mario Gomez. Der Teamstürmer, der mit 23 Toren auch noch um die Torjägerkrone kämpft, hatte bereits am Mittwoch beim 2:1-Sieg auf Schalke wegen Adduktorenproblemen zuschauen müssen. Die Spiele der 33. Runde werden allesamt zeitgleich am Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen, ATV überträgt Hoffenheim gegen die Bayern live.
Bei Hoffenheim, im Winter noch Tabellenführer, mittlerweile auf Rang sieben abgerutscht, könnte ÖFB-Teamspieler Andreas Ibertsberger nach seinem Kurzcomeback gegen Bielefeld neuerlich zum Einsatz kommen. Auch die Muskelverletzung von Frankfurt-Legionär Ümit Korkmaz ist abgeklungen, der Flügelspieler steht im Kader für das Gastspiel in Bochum. Österreicher-Duell gibt es allerdings keines, bei den abstiegsgefährdeten Bochumern fällt Christian Fuchs wegen seiner Knorpelprobleme im Knie für den Rest der Saison aus.
Einsatz von Prödl?
Werder Bremen absolviert die Generalprobe für das Uefa-Cup-Finale zu Hause gegen Absteiger Karlsruhe. Sebastian Prödl dürfte wieder in der Innenverteidigung zum Einsatz kommen, der verletzte Brasilianer Naldo hat sich das Endspiel am Mittwoch in Istanbul gegen Schachtjor Donezk zum Ziel gesetzt. Bereits gegen Karlsruhe könnte Regisseur Diego sein Comeback geben, dafür wird Stürmer Claudio Pizarro wegen einer Prellung als Vorsichtsmaßnahme geschont. ÖFB-Flügelspieler Martin Harnik dürfte auf der Bank Platz nehmen müssen.
(APA)