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Kinetose in der virtuellen Welt

Gamers play the ´Final Fantasy XIV: Heavensward´ during the Gamescom 2015 fair in Cologne
An den Ständen können die Spiele ausprobiert werden.(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)
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Manche Personen leiden bei langen Reisen im Bus, Auto oder auch Zug unter Kinetose (Reisekrankheit). Kein seltenes Problem auch bei Virtual Reality.

Die Gamescom öffnete zum siebten Mal dieses Jahr ihre Pforten und setzte Köln in einen Ausnahmezustand. Hunderttausende Besucher stürmten die Stände der über 800 internationalen Aussteller. Auf einer Fläche von über 193.000 Quadratmetern tummelten sich Profis, Amateure, Gaming-Enthusiasten, Cosplayer, Schaulustige, Journalisten und Händler. Die Tickets waren bereits zwei Wochen vor dem Start ausverkauft. Über 380.000 Besucher, ein neuer Besucherrekord, sollen es in diesem Jahr gewesen sein, und damit festigt die Gamescom erneut ihren Ruf als Europas wichtigste Spielemesse.

Viele neue Blockbuster, die zum Teil schon auf der E3 (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles ihren großen Moment hatten, gab es jetzt erstmals auch in Europa. Aber nur zum Ausprobieren, denn bis zur Veröffentlichung dauert es in den meisten Fällen noch einige Monate. So wie auch die Veröffentlichung von Windows10 für die Xbox One. Das Update soll ab November erhältlich sein. Zudem gab es erste Einblicke in das bereits mehrmals verschobene Spiel „Quantum Break“. Microsofts größter Konkurrent, der japanische Hersteller Sony hat in Köln weniger mit Neuigkeiten aufgetrumpft als mit einem riesigen Stand, an dem die neuen Blockbuster „Horizon: Zero Dawn“, „Uncharted 4: A Thief's End“, „Star Wars: Battlefront“ und „Tearaway“ ausprobiert werden konnten.

Abgetaucht. Am Thema Virtual Reality gab es aber auch in Köln kein Vorbeikommen. VR-Brillen und -Spiele waren nahezu omnipräsent. Neben der Oculus Rift konnten Interessierte Sonys Brille Morpheus in der frei zugänglichen Halle ausprobieren. Geduld musste man beim Stand von HTC mitbringen, denn schnell hat sich herumgesprochen, dass die Vive das Warten lohnt. Das Eintauchen in eine andere Welt ist „the next big thing“ in der Branche. Zwar zeigen sich die Firmen auskunftbereit, hüllen sich aber bezüglich der Preise in Schweigen. Ein entscheidender Faktor über Durchbruch oder Niederlage.


Kinetose keine Seltenheit. Vorher muss aber noch ein anderes Problem aus dem Weg geräumt werden. Und dabei handelt es sich nicht um die Technik oder Spieleentwicklung, Vielmehr haben Spieler in VR-Umgebungen vermehrt gegen Schwindel und Übelkeit zu kämpfen. Das Abtauchen in eine andere Welt führt in vielen Fällen zu Kinetose oder schlicht zur vielseits bekannten Reisekrankheit. Grund dafür sind zu hohe Latenzen und stark wechselnde Bildraten. Kommt es dann noch dazu, dass Kopfbewegungen mit dem, was man zu sehen bekommt, nicht übereinstimmen, wird einem übel. Für Ben Lewis Evans von Player Research ein bekanntes, aber wenn nie in Selbsterfahrung erlebtes Phänomen.

Es gibt aber Hoffnung, denn man hat gelernt, dass man bekannte Bewegungsabläufe wie Strafing (zur Seite gleiten) nicht 1:1 in VR-Umgebungen übertragen kann. Und auch Spieler selbst können einiges dazu beitragen, dass die Übelkeit ein Ende nimmt. Die oberste Regel lautet dabei, es nicht zu übertreiben. Die Anfänge sollten nur kurze Spieleinheiten beinhalten. Nach maximal zehn Minuten sollte man eine Pause einlegen. Bei vielen Kollegen habe das laut Evans funktioniert. Tabletten gegen Reisekrankheit aus der Apotheke seien hingegen wirkungslos.

Sollte alles nicht helfen, kann man sich aber auf jeden Fall mit den Konsole-Neuheiten von Sony, Microsoft, EA und Ubisoft die Zeit vertreiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2015)