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Bosnien: Kriegsverbrecher Glavas wieder frei

Branimir Glavas celebrates after being released from detention in Sarajevo
(c) REUTERS (Damir Sagolj)
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Wie erwartet kam der verurteilte kroatische Politiker Branimir Glavas wieder frei: Ein Berufungssenat des Gerichtes in Sarajevo hob die Abschiebehaft wieder auf. In Kroatien wurde Glavas zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Der in Zagreb wegen Kriegsverbrechen vor einer Woche zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilte kroatische Politiker Branimir Glavas, der vor zwei Tagen in Bosnien-Herzegowina festgenommen wurde, ist wieder frei. Der Berufungssenat des Gerichtes Bosnien-Herzegowinas hat am heutigen Freitag seine Freilassung beschlossen, meldete der bosnische TV-Sender RTVFBiH.

Das Gericht in Sarajevo hatte am Donnerstag eine 30-tägige Haft für Glavas angeordnet. Die kroatischen Behörden hatten per gestrigem Gerichtsbeschluss 40 Tage Zeit, um die Auslieferung von Glavas zu beantragen. Der verurteilte kroatische Politiker besitzt seit letztem Oktober auch die bosnische Staatsbürgerschaft. Er selbst ist zwar in Osijek (Slawonien) geboren, seine Eltern stammen aber aus einem Dorf im Westen der Herzegowina.

Zu zehn Jahren Haft verurteilt

Glavas wurde vorige Woche von einem Zagreber Gericht wegen Kriegsverbrechen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er wurde für für Misshandlungen und Morde an serbischen Zivilisten verantwortlich gemacht. In dem eineinhalb Jahre dauernden Prozess wurden zwei Fälle gegen Glavas verhandelt: Im sogenannten Fall "Selotejp" (Klebeband) wurde Glavas zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt.

Das Gericht in Zagreb sah seine Verantwortung für die illegale Festnahme, Misshandlung und Ermordung von acht serbischen Zivilisten am Ufer der Drava (Drau) 1991 als erwiesen an. Überlebt hat diese Exekutionen nur ein Mann namens Radoslav Ratkovic, der im Prozess als einer von mehr als 120 Zeugen auftrat.

Im Fall "Garage" wurde Glavas als damaliger Chef des Sekretariats für die Volksverteidigung außerdem für die Misshandlung und Ermordung von zwei weiteren serbischen Zivilisten zu fünf Jahren in Haft verurteilt. Beide Schuldsprüche mündeten in das Gesamtstrafmaß von zehn Jahren.

Militärischer Befehlshaber von Osijek

Glavas war während des Krieges zwischen Kroatien und serbischen Verbänden bei der Loslösung von Jugoslawien in den Jahren 1991 bis 1995 militärischer Befehlshaber von Osijek. Medien bezeichneten ihn damals als "Herrn über Leben und Tod". Als einer der engsten Mitarbeiter des verstorbenen kroatischen Präsidenten und Gründers der regierenden, national-konservativen HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft), Franjo Tudjman, galt Glavas lange Zeit als "unantastbar".

2005 wurde er aber nach internen Querelen aus der HDZ ausgeschlossen. Danach gründete Glavas eine eigene Partei, die "Kroatische Demokratische Vertretung von Slawonien-Baranja" (HDSSB), die bei den Parlamentswahlen Ende November 2007 auf Anhieb drei Mandate erreichte. Eines davon entfiel auf Glavas. Er ist bis dato der ranghöchste kroatische Politiker, der bisher wegen Kriegsverbrechen im Krieg zur Erlangung der Unabhängigkeit verurteilt wurde.

 

(APA)