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Die Baustellen des universitären Betriebs

Uni Wien, Baustelle Photo: Michaela Bruckberger
(c) (Michaela Bruckberger)
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Eine Gesetzesreform sorgt für Aufregung. Die Rektoren fürchten Eingriffe des Wissenschaftsministers. Aber es harren noch eine Menge anderer Probleme der Lösung: Vom Geld- bis zum Technikermangel.

WIEN. Angespannte Stimmung an den Universitäten: Während der Fokus der Bildungspolitik wochenlang beim Konflikt zwischen Unterrichtsministerin Claudia Schmied und den Lehrergewerkschaften lag, steuert die Uni-Politik auf eine neue Konfrontation zu. Die Novelle zum Universitätsstudiengesetz (UG) ist überfällig und wird für eine oder mehrere der Uni-Kurien einen herben Rückschlag bedeuten.

„Dem Vernehmen nach verhandelt Minister Hahn mit SPÖ-Wissenschaftssprecherin Kuntzl“, sagt Rektorenpräsident Christoph Badelt. Genaueres weiß er nicht, die von ihm geführte Universitätenkonferenz werde nicht kontaktiert. Im Kabinett des Ministers sieht man dies anders: „Die Universitätenkonferenz und die Hochschülerschaft sind permanent eingebunden“, so Hahn-Sprecher Nikola Donig. Das Gesetz komme Ende Mai in den Ministerrat.

 

Eingeschränkte Autonomie?

Badelt äußert seine Befürchtungen: Dass nämlich die Uni-Autonomie eingeschränkt werde – durch Einbehaltung von drei Prozent des Uni-Budgets durch den Minister – oder dass der Zugang zu den Massenstudien geöffnet bleibe. Mit den drei Prozent, immerhin 80 Millionen Euro pro Jahr, könnte Minister Hahn mit sanftem Druck in Uni-Bereiche eingreifen. Positiv sei hingegen, wenn ein Bachelorstudium auch acht Semester dauern kann (derzeit nicht möglich) oder wenn es qualitative Zugangserfordernisse für die Masterstudien gibt (Hahn hat sich dafür ausgesprochen).

Vorahnungen bezüglich einer „Verpolitisierung der Universitäten“ äußerten die Uni-Senatsvorsitzenden bei ihrer Vollversammlung am 8. Mai. „Man hat uns zwar versichert, dass alles nicht so schlimm kommen werde, wie befürchtet, aber bei allen konkreten Fragen haben wir nur ausweichende Antworten erhalten“, sagt Gerhard Clemens, Senatsvorsitzender der Uni Wien, nach einem Gespräch mit den Wissenschaftssprecherinnen der Koalitionsparteien, Andrea Kuntzl und Beatrix Karl.

 

„Wir überleben“

ÖH-Vorsitzender Samir Al Mobayyed weiß trotz Gesprächen mit dem Ministerium nichts über konkrete Details. Der ÖH-Forderung nach einer Beschränkung des Uni-Rats auf eine bloße Aufsichtsfunktion und die Stärkung des Senats dürfte nicht entsprochen werden.

Das UG ist das größte, aber nicht einzige Problem der Universitäten. Die weiteren „Baustellen“:
Budget: Dieses ist weitaus geringer ausgefallen als gefordert. Dennoch ist Rektorenchef Badelt angesichts der Wirtschaftskrise „relativ zufrieden“. „Wir überleben“, sagt Peter Skalicky, Rektor der TU Wien, trocken. Extensives Sparen ist jedenfalls angesagt.
Leistungsvereinbarungen: Die Verhandlungen für die Dreijahresperiode 2010–2012 sind überfällig. Die Universitätenkonferenz berichtet von Hinweisen, dass das Ministerium in den Vereinbarungen stärker in den Uni-Managementbereich eingreifen will.
Forschernachwuchs: Durch den nun endgültig ausverhandelten neuen Kollektivvertrag zwischen Universitäten und Hochschullehrergewerkschaft gibt es klare Bestimmungen für den Beginn der wissenschaftlichen Laufbahn. „Der KV kann aber nicht neue Stellen schaffen“, sagt Badelt, „es gibt derzeit zu viele definitiv gestellte Leute auf den Stellen.“
Studiengebühren: Sie wurden nicht abgeschafft, aber jene, die im Zeitplan studieren, sind befreit, ebenfalls berufstätige Studierende. Das ergibt einen enormen Verwaltungsaufwand an den Unis.
Akademikerquote: Sie fällt im OECD-Vergleich äußerst niedrig aus. Badelt verweist einerseits auf die begrenzte Vergleichbarkeit (in anderen Ländern sind Krankenschwestern und Lehrer Akademiker), andererseits müsste die Drop-out-Rate gesenkt werden. Dafür benötigen die Unis aber mehr Mittel, um das Betreuungsverhältnis zwischen Uni-Lehrer und Studierenden zu verbessern.
Technikermangel: Trotz zahlreicher Initiativen gibt es noch kein Rezept, auch die Aktion „Frauen in die Technik“ bringt nicht den gewünschten Erfolg. Dabei weiß TU-Rektor Skalicky von hervorragenden Berufsaussichten in den Ingenieurfächern Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieur.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2009)