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Analyse: Die versteckten Kosten der Eurofighter

(c) AP (Chris Ison)
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Obwohl weniger Flieger gekauft wurden, fallen jetzt Zusatzkosten an. Von der Pilotenausbildung bis zu den Ersatzteilen: Die Abfangjäger kosten mehr als geplant. Darabos lädt nun zur Begutachtung.

Norbert Darabos kam zu den Eurofightern wie die Jungfrau zum Kinde. Ausgerechnet der deklarierte Gegner des Abfangjäger-Ankaufs sollte über einen Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag verhandeln. Da er vor einem Rechtsstreit zurückschreckte, konnte Darabos nur eine Vereinbarung über eine Reduktion der Zahl der Flieger erreichen. Jetzt hat er 15 Flugzeuge – und alle damit verbundenen Kosten. Und die sind deutlich höher als ursprünglich erwartet.
„Palazzo Prozzo“ nennt der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz den Umbau des Fliegerhorsts Zeltweg. Ursprünglich mit 50 Millionen Euro veranschlagt, wird das Projekt nun 160 Mio. kosten. Der letzte Kostenschub um 21 Mio. Euro hat auch Darabos auf den Plan gerufen: Er lässt eine Kommission prüfen. Auch die Sicherheitssprecher der Parteien werden Zeltweg demnächst auf Einladung von Darabos einen Besuch abstatten. Übrigens: Von den 160 Mio. Euro fließen nur 77 Mio. in die für den Eurofighter nötige Infrastruktur. Was mit dem Rest passierte, ist noch nicht klar. Zum Vergleich: Der Neubau der Kaserne Güssing kostete 40 Mio. Euro.
Radmuttern um 30.000 Euro. Als „Fehler“ hat die Eurofighter GmbH. drastisch überteuerte Ersatzteile bezeichnet. Doch das prinzipielle Problem wird bleiben: Vor allem bei den alten Tranche-I-Flugzeugen, die bald nur noch von Österreich betrieben werden, könnten die Preise für Ersatzteile nach oben schnellen.
Ausbildung im Ausland. Noch ungeklärt ist, wie die Ausbildung der Piloten künftig vor sich gehen soll. Da Österreich entgegen ersten Plänen keine zweisitzigen Trainingsflugzeuge gekauft hat, muss ein Teil der Ausbildung ohnehin teuer im Ausland zugekauft werden. Aber auch für den ersten Schritt der Ausbildung, der bis jetzt auf den alten Saab-105-Trainingsflugzeugen erfolgt, muss bald eine Lösung gefunden werden. Bevorzugt wird derzeit der Ankauf von tschechischen Flugzeugen – aber auch dafür ist im Moment kein Geld da.
Fehlende Munition. Mit dem Fluggerät ist Österreich Weltklasse, die Bewaffnung hat bestenfalls Regionalliganiveau: Gerade einmal 20 Raketen stehen für die 15 Eurofighter zur Verfügung. Für sinnvolle Einsätze müsste teuer nachgerüstet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2009)