Der Vorstand der Osteuropa-Bank prüft eine Eigenkapital-Stärkung in Milliardenhöhe. Sie wollen das Geld aber nicht vom österreichischen Staat, sondern vom Kapitalmarkt.
wien (höll). Um die Finanzkrise zu bewältigen, denkt Raiffeisen International über eine Eigenkapitalaufstockung von bis zu zwei Mrd. Euro nach. Im Gegensatz zum Mutterkonzern RZB will sich die Osteuropa-Tochter das Geld aber nicht vom österreichischen Staat holen, sondern vom Kapitalmarkt. Die RZB wird vom Bund mit 1,75 Mrd. Euro unterstützt.
Wie aus der Einladung für die Hauptversammlung am 9.Juni hervorgeht, will sich Raiffeisen International von den Aktionären „die Ermächtigung zur Ausgabe von Genussrechten mit Eigenkapitalcharakter“ geben lassen. Konkret soll der Vorstand die Erlaubnis erhalten, innerhalb von fünf Jahren mit Zustimmung des Aufsichtsrats Genussrechte mit einem Gesamtnennbetrag von bis zu zwei Mrd. Euro auszugeben. Dies kann in mehreren Tranchen erfolgen. Das Bezugsrecht der Aktionäre wird dabei ausgeschlossen.
Genussrechte sind mit Partizipationsscheinen (stimmrechtslosen Wertpapieren) vergleichbar. Die Zeichner bekommen dafür einen fix vereinbarten Zinssatz. Macht die Bank Verluste, entfällt die Ausschüttung. Nach einer Laufzeit von mehreren Jahren (meist sind es fünf) soll die Bank das eingesammelte Geld zurückzahlen.
Raiffeisen-International-Chef Herbert Stepic hatte in den vergangenen Monaten mehrmals eine „erhebliche Kapitalstärkung“ angedeutet, falls sich die wirtschaftliche Situation in Osteuropa verschlimmert. Im ersten Quartal 2009 ist der Nettogewinn der Bank um 78 Prozent auf 56 Mio. Euro eingebrochen. Stepic musste die Risikovorsorgen für faule Kredite auf 443 Mio. Euro fast verfünffachen.
Zwar hat sich die Raiffeisen-Aktie in den vergangenen Wochen erholt, doch im Vergleich zum Vorjahr befindet sich der Kurs noch immer auf einem niedrigen Niveau. Im Mai 2008 kostete der Titel 110 Euro, gestern waren es etwas mehr als 26 Euro.
Eine klassische Kapitalerhöhung macht bei einem solchen Kurs wenig Sinn, als Ausweg bietet sich der Verkauf von Genussrechten an. „Es steht derzeit noch nicht fest, ob und wann wir eine solche Emission machen werden“, sagte ein Raiffeisen-Sprecher zur „Presse“. Bei Bedarf kann die Ausgabe kurzfristig erfolgen. Die Konditionen und Zinssätze werde das Institut rechtzeitig bekannt geben.
Raiffeisen International ist die letzte österreichische Großbank, bei der sich ein milliardenschwerer Finanzbedarf abzeichnet. Die Erste Bank und Bank Austria wollen ihr Eigenkapital um jeweils 2,7 Mrd. Euro stärken, der Großteil des Kapitals stammt vom Staat.
Die Bawag und die Volksbank werden von der Republik mit rund einer Mrd. Euro unterstützt. Falls Raiffeisen International nicht genug Käufer für die Genussrechte findet, muss unter Umständen die RZB einspringen. Das würde bedeuten, dass die RZB einfach einen Teil der vom Staat erhaltenen 1,75 Mrd. Euro an die Osteuropa-Tochter weiterreicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2009)