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Original von Stalinismus-Roman "Sonnenfinsternis" entdeckt

Men use their mobile phones as they stand in front of a mosaic depicting former Soviet leader Vladimir Lenin at Biblioteka Imeni Lenina metro station in Moscow
(c) REUTERS (Lucy Nicholson / Reuters)
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In seinem bekanntesten Werk rechnete Arthur Koestler mit den Utopien des Kommunismus ab. In Zürich wurde nun ein maschinengeschriebenes Manuskript gefunden.

In dem Roman "Sonnenfinsternis" ging der einst glühende Kommunist Arthur Koestler 1940 hart ins Gericht mit den stalinistischen Säuberungsaktionen und Schauprozessen in der Sowjetunion. Von den Kommunisten gehasst, wurde "Sonnenfinsternis" ein Welterfolg und und 40 Stprachen übersetzt. Dabei galt die deutsche Urfassung des Romans als verloren, bisher war nur die Rückübersetzung aus dem Englischen bekannt. Doch nun dürfte eine verschollene Originalfassung gefunden worden sein. Wie die Universität Kassel am Montag mitteilte, entdeckte ein Doktorand das maschinengeschriebene Manuskript in der Zentralbibliothek Zürich. Der Text lasse neue Schlüsse auf die Entstehung des Buches zu, hieß es in der Mitteilung.

Man ging bisher davon aus, dass der Originaltext verloren ging, als Koestler 1940 aus Frankreich vor den Nazis nach England floh. Ob nun das Original gefunden wurde, ist nicht abschließend bewiesen, es spricht aber laut Uni alles dafür - unter anderem handschriftliche Korrekturen und Einfügungen Koestlers.

Koestler wuchs in Wien auf

Koestler, der in Budapest als Sohn eines jüdischen Industriellen geboren wurde, wuchs ab 1914 in Wien auf. Im Studium verfolgte er zunächst gleichzeitig seine Begeisterung für Technik und für Philosophie. 1926 brach er das Studium ab, um als Anhänger des Zionismus nach Palästina auszuwandern und eine journalistische Karriere zu beginnen. Seine Reportagen lieferte er unter anderem an den Ullstein-Verlag.

1930 zog er nach Berlin, arbeitete als außenpolitischer Redakteur und trat der Kommunistischen Partei bei. Zahlreiche Reisen durch die Sowjetunion erschütterten bald seine politische Überzeugung. Vielfach äußerte er sich schockiert über die Lebensverhältnisse der Menschen im Stalinismus, blieb jedoch dem Kommunismus zunächst verbunden.

Als Spion zum Tode verurteilt

In seinem "Spanischen Testament" hielt er seine Erlebnisse als Kriegsberichterstatter aus dem Spanischen Bürgerkrieg fest. Von Francos Truppen wurde er 1937 gefangen genommen und als Spion zum Tode verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustausches mit Großbritannien kam er jedoch frei.

Seine endgültige Abkehr vom Kommunismus verarbeitete Koestler literarisch in seinem Hauptwerk "Sonnenfinsternis". Ab 1940 lebte er als Schriftsteller in England. Große Erfolge erreichte er mit dem Spartakus-Roman "Die Gladiatoren", mit "Gottes Thron steht leer" und "Die Schlafwandler" oder "Das Gespenst der Maschine". Eine tiefe Freundschaft verband ihn mit dem Erfolgsautor George Orwell.

Koestler, der an Leukämie und an der Parkinson-Krankheit litt, propagierte vehement das Recht auf den Freitod. 1983 setzte er seinem Leben gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Cynthia selbst ein Ende.

(APA/dpa)