Der IWF hat sich in Sachen Osteuropa grob verrechnet. Da würden wir doch gern nähere Erläuterungen hören.
Blöd gelaufen: Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat sich jetzt dafür entschuldigt, dass sich seine Organisation beim Risiko der Ostländer (und damit natürlich auch beim Risiko der österreichischen Banken und der Republik Österreich) ein bisschen verrechnet hat. Um bis zum Vierfachen, um genau zu sein. In die negative Richtung. Das hat vor allem Österreich eine schlechte Nachred (Staatsbankrott und so) im angelsächsischen Raum (und vorübergehend wohl auch ein paar Zehntelprozentpunkte Zinsenaufschlag bei der Staatsfinanzierung) beschert. Aber jetzt ist wieder alles eitel Wonne. Schwamm drüber.
Halt, eines würden wir schon noch gern wissen: Korrigiert worden sind die Zahlen ja erst nach heftigen Protesten der osteuropäischen Länder. Es gibt also drei Möglichkeiten. Erstens: Die Experten des IWF haben sich tatsächlich verrechnet (was in dieser Dimension sehr schwer vorstellbar ist). Zweitens: Es hat sich tatsächlich um eine Intrige gegen das (in Osteuropa ja bisher überproportional erfolgreiche Österreich) gehandelt, oder drittens: Die Zahlen sind auf Druck der Osteuropäer geschönt worden.
Alle drei Varianten geistern herum, alle werden für nicht unwahrscheinlich gehalten – und alle drei machen keinen besonders schlanken Fuß für den IWF. Es wäre also nicht zu viel verlangt, dass der Währungsfonds die tatsächlichen Vorgänge ein bisschen näher erläutert. Ein „Ups“ reicht da nicht. (Bericht: Seite 13)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2009)