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Afghanistan: 140 Zivilisten bei US-Angriff getötet

Symbolbild
(c) REUTERS (Jorge Silva)
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In der westafghanischen Provinz Farah fordert ein Angriff der US-Truppen den bisher höchsten Blutzoll unter Zivilisten. Die afghanische Regierung spricht von 140 Toten, die US-Armee will die Zahl nicht bestätigen.

Bei dem US-Bombenangriff Anfang des Monats in der westafghanischen Provinz Farah, über dessen Opferzahl es höchst widersprüchliche Angaben gab, sind nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung 140 Zivilisten getötet worden. 25 Zivilisten seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kabul am Samstag mit. Seit Beginn des internationalen Militäreinsatzes hat keine Operation mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert.

Die US-Armee hatte eingeräumt, "eine Anzahl Zivilisten" sei bei dem Bombardement getötet worden, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben. Ein US-Militärsprecher hatte die Zahl von rund 140 getöteten Zivilisten darüber hinaus noch vor rund einer Woche als "völlig überzogen" bezeichnet.

Das afghanische Verteidigungsministerium machte keine näheren Angaben zu den Opfern. Der Abgeordnete Obaidullah Hilali aus Farah hatte gesagt, 95 der Toten seien Kinder gewesen. Der Vorfall vom 3. Mai hatte vor einem Dreiergipfel Afghanistans, Pakistans und der USA international Kritik hervorgerufen. US-Präsident Barack Obama hatte nach dem Treffen einen größeren Schutz der Zivilbevölkerung zugesagt.

USA überprüfen Luftstrategie

Nach den jüngsten US-Luftangriffen mit zahlreichen zivilen Opfern haben die USA eine Überprüfung ihrer Luftstrategie angekündigt. Verteidigungsminister Robert Gates forderte die für den Afghanistan-Einsatz neu ernannten Kommandanten auf, zwischen den Schutzinteressen der Nato-geführten internationalen Truppe ISAF und dem Risiko, unbeteiligte Zivilisten zu töten, gewissenhaft abzuwägen. Im November vorigen Jahres waren bei einem Nato-Luftangriff nach Angaben von Präsident Hamid Karzai mehr als 40 Zivilisten bei einer Hochzeitsgesellschaft in der Provinz Kandahar getötet worden. Im August 2008 hatte der Tod von 90 Zivilisten bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition Empörung und wütende Proteste ausgelöst.

(Ag.)