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Stoffwechseldiät: Erfolgreich und umstritten

Monika Wokurek und Eva Goll-Volpini
(c) Die Presse (Bruckberger)
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Die Stoffwechseldiät Metabolic Balance versetzt Fettberge. Obwohl weltweit die Kilos purzeln, beäugt die medizinische Fachwelt die Methode mit Skepsis. Vor allem, weil niemand genau weiß, wie's funktioniert.

Katerina Jacob hat es getan. Tini Kainrath hat es getan. Und Andrea Kdolsky hat es getan. Was die deutsche Schauspielerin (bekannt vor allem als Sabrina Lorenz, Benno Berghammers Berliner Assistentin im „Bullen von Tölz“), das „Rounder Girl“ und die ehemalige Gesundheitsministerin verbindet, ist die erfolgreiche Anwendung einer Diät, die derzeit für heftige Diskussionen sorgt: „Metabolic Balance“ (MB), erfunden vom deutschen Arzt Wolf Funfack. Die Methode verspricht Gewichtsreduktion durch den Ausgleich des Stoffwechsels. Wer sich an Funfacks Regeln hält, kann also nicht nur sein Gewicht nachhaltig reduzieren, sondern auch seinen Stoffwechsel in gesunder Balance halten.

Das Erstaunliche an dieser Diät haben Jacob, Kainrath und Kdolsky vorgemacht: dass man nicht nur rasch ein paar überschüssige Kilos loswird, sondern in atemberaubend kurzer Zeit ganze Fettberge versetzen kann. Bei dem jetzt nicht mehr ganz so runden „Rounder Girl“ Kainrath waren es 22 Kilo in vier Monaten, bei Katerina Jacob 14 Kilo in acht Wochen und bei der für ihre Liebe zum Schweinsbraten bekannten Kdolsky angeblich sogar 38 Kilo in sechs Monaten.

Obwohl auf dieser Basis weltweit die Kilos munter purzeln, beäugt die medizinische Fachwelt Funfacks Methode mit recht skeptischen Augen. Vor allem stört Experten, dass die Erfolgsformel hinter dem „Metabolic Balance“-Konzept ungefähr so streng gehütet wird wie das originale Coca-Cola-Rezept – und dadurch nicht auf den Prüfstand gestellt werden kann.

Auch Monika Wokurek (45) kennt sie nicht. Die Ernährungswissenschaftlerin gehört zu der wachsenden Riege von MB-Beratern in Österreich. „Wolf Funfack gab am Anfang viel preis“, meint sie. „Als dann aber ähnliche Programme entwickelt wurden, hörte er damit auf.“

Grundlage der Methode ist laut Wokurek die Überlegung, dass wir alle zu viele Kohlehydrate zu uns nehmen und dadurch für einen ständig überhöhten Insulin-Spiegel sorgen. Dies verhindere effektiven Fettabbau, führe zu hohen Schwankungen im Blutzuckerniveau und sei der sicherste Weg von einer Hungerattacke zu nächsten. Also wird die Zufuhr der Kohlehydrate drastisch reduziert: Haferflocken und Roggen sind gut, Weizen ist ganz schlecht; Kartoffeln und Wildreis sind in Maßen erlaubt. Außerdem gibt es nur drei Mahlzeiten pro Tag, dazwischen mindestens fünf Stunden Pause.


Maßgeschneiderte Programme. Dieses Prinzip wenden auch andere „Low Carb“-Diäten an, etwa die „Atkins-Diät“ oder die „Methode Montignac“. Das Besondere an „Metabolic Balance“ ist, dass jeder Kunde maßgeschneidert betreut wird. Auf Basis eines Bluttests werden 36 Blutwerte erhoben und an die „Metabolic Balance“-Zentrale in Deutschland geschickt. Dort werden sie mit einem super-geheimen Computerprogramm ausgewertet und als Ernährungsplan wieder retourniert.

Während es den MB-Beratern obliegt, ihren Klienten den spezifischen Ernährungsplan zu erklären und zumindest einige Monate lang zu betreuen, bleibt das Monopol für die Auswertung des Bluttests beim Erfinder. Und Funfack verdient daran nicht schlecht. Denn die MB-Berater müssen für jeden Test 80 Euro entrichten. Laut einer Recherche des Magazins „Stern“ gehen jeden Monat an die 10.000 Ansuchen um Ernährungspläne ein.

Deshalb ist „Metabolic Balance“ auch nicht gerade billig. Zwischen 300 und 400 Euro muss ein Kunde für ein Grundpaket rechnen, in dem ein Erstgespräch, der Diätplan und Betreuung enthalten sind: zwei Tage Entschlackung, zwei Wochen strenge Phase, die gelockerte Umstellungsphase, bis das Gewicht passt. In der Erhaltungsphase ist man auf sich selbst gestellt. Jeder Bluttest muss extra bezahlt werden.

Wunde Punkte. Für Diätologen und Mediziner sind die relativ hohen Kosten nur einer von vielen wunden Punkten der „Metabolic Balance“. Die Diätologen finden es „bedenklich“, dass viele MB-Berater „nicht oder nur unzureichend qualifiziert“ sind (Andrea Hofbauer, Präsidentin des Verbandes der Diätologen Österreichs). Mediziner wiederum kritisieren die Undurchsichtigkeit der Methode. „Es gibt keinen Beleg dafür, dass Metabolic Balance besser ist als irgendeine andere Form von Diät“, meint etwa Bernhard Ludvik, Stoffwechselexperte am AKH und Präsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft. Er bezweifelt außerdem, „dass dadurch der Stoffwechsel ausbalanciert wird“. Ludvik hält aber „die Sache mit dem Blut für genial, weil es eine Bindung an den Erfinder gewährleistet“. Entscheidend sei bei MB, wie bei allen Diäten, wie weit die Methode anfällig für den Jojo-Effekt sei: dass man bei Missachtung der Regeln nach der Diät umso mehr zunimmt.

Eva Goll-Volpini (49) ist guter Dinge, dass ihr das nicht passieren wird. Sie hat mit Metabolic Balance in vier Monaten 14 Kilo abgenommen und ihre Kleidergröße von 42 auf eine „locker sitzende 38“ reduziert. „Bei mir wurden Kuhmilchprodukte gestrichen – und ich habe trotz meines Alters rasant abgenommen. Und die Packerln sind an den richtigen Stellen weggeschmolzen.“ Ihre Einstellung gegenüber Essen habe sich total verändert, die Wertigkeit sei geschrumpft, der Geschmackssinn hingegen viel sensibler geworden. Im Gegensatz zu anderen fand sie die Diät auch nicht schwer umzusetzen. Und die Kosten? „Mir hat's sogar geholfen. Das Geld hat meinen Ehrgeiz nur noch angestachelt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2009)