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IS brüstet sich mit Enthauptung kroatischer Geisel

An Islamic State flag flies over the customs office of Syria's Jarablus border gate as it is pictured from the Turkish town of Karkamis
Flagge des Islamischen StaatesREUTERS
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Tomislav S., ein Mitarbeiter einer französischen Energiefirma, war am 22. Juli in einem Außenbezirk Kairos entführt worden. Nun veröffentlichten Extremisten ein Foto, das den Leichnam des Familienvaters zeigen soll.

Kairo. Der sogenannte Islamische Staat (IS) auf dem Sinai hat seine Drohung offenbar wahr gemacht und einen vor drei Wochen entführten Kroaten enthauptet. Am Mittwoch veröffentlichten die ägyptischen Jihadisten auf Twitter ein Foto, das den Leichnam des 31-jährigen Tomislav S. in der Wüste neben einer IS-Flagge zeigen soll. Im Bildtext heißt es, die Geisel sei nach Ablauf des Ultimatums getötet worden, „weil ihr Land sich an dem Krieg gegen den Islamischen Staat beteiligt“.

Als Belege dafür blendeten die Täter einen Screenshot ein von der Website der ägyptischen Zeitung „Al-Dostour“ mit der Schlagzeile „Kroatien bekräftigt seine Unterstützung für Ägyptens Kampf gegen den Terrorismus“ sowie eine Erklärung der kroatischen Präsidentin, Kolinda Grabar-Kitarović, die den kurdischen Peschmerga im Nordirak ihre Unterstützung im Kampf gegen den IS zusichert. Eine offizielle Bestätigung der Bluttat durch ägyptische Stellen gab es bis zum Abend nicht. Man ermittle mit Hochdruck, hieß es aus dem Innenministerium.

S. war am 22. Juli im Kairoer Stadtteil 6.Oktober auf dem Weg zur Arbeit von Maskierten gestoppt und in einem Minivan verschleppt worden. Seinen einheimischen Fahrer ließen die Extremisten unverletzt entkommen. Der Vater zweier Kinder war für das französische Unternehmen CGG Ardiseis tätig, das in Ägypten nach neuen Gas- und Ölvorkommen sucht.

 

Drohvideo vor Suez-Eröffnung

Mitte vergangener Woche, 24 Stunden vor der feierlichen Eröffnung der Suezkanal-Erweiterung mit zahlreichen ausländischen Gästen und Investoren, hatte die Terrorgruppe ein Drohvideo mit S. ins Internet gestellt. Auf dem Wüstenboden kniend musste der Kroate von einem Papier ablesen, dass er binnen 48 Stunden hingerichtet werde, wenn die ägyptische Regierung nicht „muslimische Frauen“ aus den Gefängnissen freilasse. Er ist der erste Ausländer am Nil, den der IS-Ableger als Geisel nahm und ermordete. Im Herbst war bereits ein US-Mitarbeiter der Firma Apache in seinem Geländewagen auf einer Wüstenpiste überfallen und erschossen worden. Seinen Reisepass stellte der IS später als Beweis der eigenen Täterschaft ins Internet.

Durch die jüngste Mordtat steigt die Gefahr für ausländische Fachleute, die in Ägypten arbeiten, erheblich an. Schon jetzt unterliegen Mitarbeiter von Öl- und Gasfirmen bei ihren Reisen im Land strikten Sicherheitsvorschriften.

Zudem wird das Vorgehen des Islamischen Staates in Ägypten immer brutaler und gefährlicher. Anfang Juli überfielen Bewaffnete im Nordsinai simultan 15 Militärposten, eine auf ägyptischem Territorium bisher beispiellose Kommandoaktion. Zwei Tage dauerten die schweren Gefechte, bei denen die Streitkräfte auch Jagdbomber und Kampfhubschrauber einsetzten. „Wir befinden uns mitten in einem richtigen Krieg“, erklärte Premierminister Ibrahim Mahlab. Vier Wochen später ließ der IS im Zentrum von Kairo eine Megabombe hochgehen, die Teile des italienischen Konsulates in Schutt und Asche legte.

 

Kein Spur von Österreicher

Im März haben IS-Extremisten in Libyen auch einen Österreicher entführt, der auf dem Ölfeld al-Ghani arbeitet. Von dem Linzer fehlt noch immer jede Spur, wie ein Sprecher des Außenamts gegenüber der „Presse“ erklärte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2015)