Warum an den Börsen höchste Vorsicht geboten ist, Inflationsschutz kein Luxus ist und Gold in nächster Zeit nicht glänzen wird.
In der vergangenen Woche sind die Weltbörsen in eine (vorerst leichte) Konsolidierungsphase eingetreten. Jetzt heißt es für eher kurz- und mittelfristig orientierte Anleger aufpassen: Nach den teilweisen extremen Kursanstiegen der vergangenen Wochen scheint den Märkten die Luft ein wenig auszugehen. Einige technische Indikatoren haben letzte Woche Verkaufssignale für wichtige Indizes – etwa für Nasdaq, Dow Jones, DAX, aber auch für den ATX – generiert.
Das heißt noch nicht, dass man aus diesen Märkten radikal herausspringen sollte. Sehr wohl aber, dass die Entwicklung von Einzelwerten jetzt sehr genau zu verfolgen ist. Denn immer mehr Marktbeobachter erwarten eine Korrektur. Und die könnte heftig ausfallen. Es wäre schade, wenn die – in dieser Höhe unverhofften – Gewinne wieder den Bach hinuntergingen.
Das gilt besonders für die Kursraketen dieses Jahres. Etwa für Stec, die „Presse am Sonntag“-Empfehlung der ersten Stunde, die in dieser Woche (nach der Vorlage eines sehr guten Quartalsergebnisses) noch einmal mehr als 30 Prozent zulegte und jetzt bereits mit rund 90 Prozent (seit der „Presse“-Empfehlung) bzw. 230 Prozent (seit Jahresbeginn) im Plus liegt.
Der Hersteller von Solid State Disks (die in den Computern die herkömmlichen mechanischen Festplatten zu ersetzen beginnen) ist tatsächlich hervorragend aufgestellt und in einem kommenden Boommarkt tätig, die jüngsten Kurssteigerungen haben die Aktie aber doch in eine Region mit sehr dünner Luft gebracht. Der relative Stärkeindikator (RSI) zeigt jedenfalls bereits eine hoffnungslos überkaufte Situation an, die zu Gewinnmitnahmen (und damit zu Kursrückschlägen) geradezu einlädt.
Von den allgemeinen Börsenschwächen der vergangenen Woche hat sich das Papier trotzdem unbeeindruckt gezeigt, man kann es also noch weiterlaufen lassen – um bei der Trendwende dann aber beherzt auszusteigen. Denn solche Gewinne darf man in einer Korrektur nicht einfach dahinschmelzen lassen.
Insgesamt haben sich die Börsen (bis auf kleine Korrekturen) in der Vorwoche noch stabil gezeigt, aber Neueinstiege wären jetzt schon sehr riskant. Zwar machen die Ökonomen erstmals auf vorsichtigen Optimismus, und die Daten, die aus den USA kommen, sind derzeit nicht mehr durchgehend schlecht, es gibt aber noch eine Reihe von Faktoren, die die Stimmung in nächster Zeit noch einmal kippen lassen könnten. Beispielsweise die (erwartete) Insolvenz von General Motors oder neuerlich schlechte Nachrichten von den US-Banken, deren „Standing“ nach den offenbar geschönten Stresstests wieder deutlich gesunken ist.
Ein Zeichen dafür, dass die Anleger dem Börsenaufschwung noch nicht trauen, ist die anhaltend gute Nachfrage nach Anleihen. Die Erste Sparinvest musste die Zeichnungsfrist für ihren neu aufgelegten Espa Corporate Basket 2013 (ein Unternehmensanleihenfonds) um neun Tage vorverlegen. Am 20.Mai, also am kommenden Mittwoch, ist Schluss. Allerdings wird bereits an einem „Folgeprodukt“ gefeilt.
Stark im Kommen sind auch inflationsgeschützte Anleihen. Anleger trauen den Notenbanken offenbar (wohl zu Recht) nicht zu, die derzeit in den krisengeschüttelten Markt geschwemmte Liquidität rechtzeitig wieder herauszubekommen. Dadurch droht beim Wiederanspringen der Konjunktur eine saftige Inflation.
Und der will man offenbar mit „sicheren“ Produkten vorbeugen. Die RZB beispielsweise hat am vergangenen Freitag zwei neue Inflationsanleihen aufgelegt. Die Inflationsanleihe 2009 bis 2017(ISIN AT000B011846) ist in den ersten beiden Jahren fix mit fünf Prozent verzinst, danach trägt sie 1,5 Prozent plus 1,15 Prozent der europäischen Inflation (exklusive Tabak).
Die Inflationsschutzanleihe 2009 bis 20016(ISIN AT000B011853) ist von Anfang an mit fix 2,5 Prozent verzinst. Am Laufzeitende wird noch die europäische Inflation in diesem Zeitraum dazugerechnet, sodass die Realverzinsung auf jeden Fall bei 2,5 Prozent liegen wird.
Für das „Inflationsschutzprodukt“ Gold ist der Kaufzeitpunkt derzeit nicht optimal: Experten erwarten, dass sich der Preis im Laufe des nächsten Jahres eher leicht nach unten bewegt – außer die Märkte gehen noch einmal gewaltig in die Knie. Danach sieht es aber nicht aus – auch wenn die Gefahr einer kurzzeitigen Korrektur groß ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2009)