"Glockenaktion" in Fehring: Pfarrer drohen Anzeigen

Die Einfahrt der Hadik-Kaserne
Die Einfahrt der Hadik-KaserneAPA/ERWIN SCHERIAU

Christoph Wiesler störte in der Steiermark mit Kirchenglocken eine Anti-Asyl-Demo. Nun drohen ihm Kirchenaustritte und eine Sammelklage.

Pfarrer Christoph Wiesler hatte am Sonntag im südoststeirischen Fehring gegen eine Anti-Asyl-Demonstration protestiert: Er unterbrach mit andauerndem Glockenläuten die Versammlung von rund 50 Personen, die ihren Unmut über das geplante Verteilzentrum für Asylwerber in der Hadik-Kaserne kundtun wollten. Nun mehren sich die negativen Reaktionen auf die Aktion des Pfarrers, wie der „Kurier" am Donnerstag berichtet.

„Rund 500 Mails und Anrufe habe ich in den letzten Tagen erhalten", wird Wiesler in dem Blatt zitiert. Zuerst hätten die Menschen positiv auf das Glockenläuten reagiert, berichtete er, nun aber „werde ich plötzlich beschimpft, beflegelt, bedroht. Es heißt, dass ich das Abschlachten der Christen durch den IS unterstützen, den Islam in Österreich stark machen und dass ich für eine bestimmte Partei arbeiten würde“, so der Pfarrer. Einige Bürger kündigen an, aus der Kirche austreten zu wollen.

Lenart: "Aktion war nicht fremdenfeindlich"

Auch Anzeigen könnten Wiesler bevorstehen: „Ein  Demonstrant will mich anzeigen, weil ich eine korrekt angemeldete Demo gestört hätte. Und andere Teilnehmer drohen sogar mit einer Sammelklage, weil sie durch den Glockenlärm an Tinnitus leiden würden.“

Der steirischer Sprecher der „Identitären Bewegung“, Patrick Lenart, versuchte indes zu beruhigen. „Das ist natürlich Blödsinn. Ich glaube nicht, dass einer unserer Mitglieder den Pfarrer, mit dem wir eigentlich in einen Dialog treten wollen, anzeigt“, sagte er dem Blatt. Doch hält er fest: „Unsere Parolen waren nicht, wie vom Pfarrer behauptet, fremdenfeindlich.“

Kasernen-Übergabe am Freitag

Das Österreichische Bundesheer hat die Hadik-Kaserne in Fehring unterdessen so gut wie fertig geräumt und wird die Räumlichkeiten am Freitag dem Innenministerium übergeben. Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck meinte am Donnerstag, dass über das Wochenende Adaptierungen vorgenommen werden. Ab Montag sollen die ersten Flüchtlinge einziehen.

Im neuen Verteilerzentrum sollen bis zu 150 Menschen einquartiert werden. Laut Christian Fiedler, Sprecher des Militärkommandos Steiermark, werden die Zimmer besenrein übergeben. Ein kleiner Teil des Verwaltungstrakts wird in den kommenden zwei Wochen noch fertig geräumt, die Unterkünfte stünden aber alle bereit. Eigentlich war die Kaserne bis Mitte 2016 für eine militärische Nutzung vorgesehen. Aufgrund der aktuellen Asylkrise sei aber Eile geboten gewesen: „Es geht hier auch um die Minderung des Leides von Menschen", hieß es in einer Aussendung am Donnerstag.

>> Bericht im "Kurier"

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