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Wie glaubwürdig ist die chinesische Notenbank?

(c) APA/EPA/YM YIK (YM YIK)
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Am Donnerstag hat China den Yuan erneut abgewertet. Eine Vertreterin der chinesischen Notenbank erklärte daraufhin, die Anpassung sei damit „im Wesentlichen beendet“. Ob das stimmt, ist fraglich.

Wien/Peking. China hat am Donnerstag erneut seine Währung gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Wie die Notenbank in Peking mitteilte, sei der Referenzwert des Yuan zum Dollar um 1,11 Prozent gesenkt worden. Dabei handelt es sich um die dritte Abwertung innerhalb weniger Tage. Am Dienstag hatte die Notenbank den Kurs erstmals um 1,9 Prozent gesenkt. Am Mittwoch tat sie es ein weiteres Mal – und zwar um 1,6 Prozent.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Im kommunistischen China werden Zeitungen und Internetmedien zensuriert. Die offiziellen Verlautbarungen sind mit Vorsicht zu genießen. Es kommt immer wieder vor, dass sich die Machthaber nicht an ihre eigenen Ankündigungen halten. Bei der ersten Abwertung am Dienstag erklärte die Notenbank, dass es sich dabei um einen einmaligen Schritt handeln würde. Doch bereits am Mittwoch und am Donnerstag kam es erneut zu stärkeren Abwertungen. Am Donnerstag veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua eine Stellungnahme der Vizechefin der Zentralbank Zhang Xiaohui, wonach die Anpassung nun „im Wesentlichen beendet“ sei.

Ob das stimmt, werden die nächsten Wochen zeigen. Chinesische Zeitungen berichteten vor Kurzem, in der Pekinger Regierung gebe es den Ruf, dass der Yuan bis Jahresende in mehreren Schritten um zehn Prozent abgewertet werden soll. Dies soll der chinesischen Wirtschaft zu einem neuen Wachstumsschub verhelfen.

Verbilligt sich der Yuan gegenüber dem US-Dollar und dem Euro, wird die chinesische Exportwirtschaft gestärkt. Das ist dringend notwendig. Denn im Juli waren die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent eingebrochen. Die Berichte über die zehnprozentige Yuan-Abwertung fielen nicht der Pressezensur zum Opfer. Sie dürften korrekt sein, wurde im Ausland vermutet. Doch am Donnerstag meldete sich mit Yi Gang ein weiterer Vizechef der chinesischen Notenbank zu Wort. Er erklärte, dass Berichte über eine Abwertung von zehn Prozent „ohne Grundlage“ seien.

 

Chinas Notenbank beruhigt

Vertreter der chinesischen Notenbank tun derzeit alles, um internationale Anleger zu beruhigen. Sie behaupten, dass am Dienstag erstmals eine neue Methode zur Berechnung des Yuan-Wechselkurses verwendet wurde. Diese orientiert sich stärker am Markt. Die Abwertungen seien infolge der neuen Berechnung aufgetreten, heißt es.
Trotzdem brach an den internationalen Finanzmärkten Unruhe aus. Auch Vertreter der Europäischen Zentralbank warnten vor China-Risken. Am Donnerstag erholten sich die Märkte ein wenig vom „China-Schock“.

Offiziell spricht die Notenbank in Peking nicht von einer Abwertung, sondern von Anpassungen und Korrekturen. China bemüht sich derzeit beim Internationalen Währungsfonds (IWF), dass seine Währung in den Korb der globalen Reservewährungen aufgenommen wird. Eine Entscheidung darüber wird im November erwartet. Der IWF fordert, dass China bis dahin seine Währung noch stärker den Marktgegebenheiten aussetzt.

In Reaktion auf die Abwertung des Yuan senkten chinesische Stahlhersteller die Exportpreise für Stahl. Am Donnerstag erklärte die österreichische Voestalpine, dass sie dadurch keine Bedrohung sehe. Das Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren von der klassischen Stahlproduktion weg hin zu einem Stahlverarbeitungskonzern entwickelt, sagte Firmenchef Wolfgang Eder zu Reuters.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2015)