Der Machtkampf zwischen VW-Ikone Piëch und Porsche-Chef Wiedeking geht in die letzte Runde. Vor allem für Wiedeking. Seit knapp vier Jahren versucht Porsche Volkswagen unter seine Kontrolle zu bringen.
Wolfsburg (red.). Volkswagen hat die Fusionsgespräche mit Porsche ausgesetzt. „Die Atmosphäre für konstruktive Gespräche ist derzeit nicht gegeben“, wie Volkswagen am Sonntag wissen ließ. Die Konzernführung schloss sich damit einer Forderung des Betriebsrates an, der auf einen Abbruch der Verhandlungen drängte. Porsche wollte die Causa vorerst nicht kommentieren.
Seit knapp vier Jahren versucht der Sportwagenbauer Porsche Volkswagen unter seine Kontrolle zu bringen. Zu Beginn des Jahres hat Porsche seine VW-Anteile auf 51 Prozent aufgestockt und damit die Mehrheit am Wolfsburger Konzern übernommen. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass Porsche damit seine finanziellen Kapazitäten ausgereizt hat. Die Nettoverschuldung von Porsche ist auf knapp neun Mrd. Euro gestiegen, mehr als drei Mrd. müssen schon in den kommenden Monaten refinanziert werden. Wodurch die Übernahme ins Stocken geriet.
Weshalb der Porsche-Clan dann auch Anfang Mai in Salzburg über mögliche Auswege konferierte. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch (die Mutter von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch war eine geborene Porsche) fanden die Lösung in einer Fusion von VW und Porsche, wobei die Eigenständigkeit der beiden Marken erhalten werden sollte.
Wer kontrolliert wen?
Belastet werden die seither laufenden Verhandlungen durch die Fehde zwischen VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Porsche-Boss Wendelin Wiedeking. Die alles entscheidende Frage lautet: Wer kontrolliert in Zukunft wen? Fest steht, dass sich Wiedekings Chancen auf den Chefposten des fusionierten Konzerns deutlich reduziert haben. Laut Piëch ist VW-Chef Martin Winterkorn nämlich „der Bessere“. Dass Wiedeking künftig nur noch die Marke Porsche leitet, könne sich Piëch allerdings auch nicht vorstellen. Womit klar wird, worum es Piëch geht: um die Ablöse des in Ungnade gefallenen Wiedeking.
Zupass kommt VW dabei das ungelöste Schuldenproblem von Porsche. Die rund elf Mrd. Euro hohen Barmittel von Volkswagen dürften der rettende Ausweg sein. Wofür Piëch aber auch eine Gegenleistung sehen will. Bei der Absage der für heute angesetzten Verhandlungsrunde handelt es sich also nicht um das endgültige Aus für das Fusionsprojekt, sondern um ein taktisches Manöver.
Auf einen Blick
■Funkenflug. Zwischen Porsche und VW läuft es auch nach der Einigung auf eine Fusion der beiden Konzerne alles andere als rund. Am Sonntag sagte die VW-Führung die für heute, Montag, geplante Verhandlungsrunde ab. Hintergrund der Aktion dürfte die kolportierte Entmachtung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking durch Volkswagen sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2009)