Der 33-jährige Kombinierer kehrt nach zwei Jahren Pause zurück. „Mir geht es nicht nur um Medaillen“, sagt Gottwald, sondern „um den Weg dorthin“. Es ist das Verlangen nach Qualen, Schweiß, Spaß und dem Genuss, Ski zu springen und langzulaufen.
Es waren doch keine leeren Spekulationen: Doppelolympiasieger Felix Gottwald kehrt in den Kombiniererweltcup zurück. Der 33-jährige Salzburger hat in seiner zweijährigen Pause zwar abschalten können und Distanz zu seinem Sport gewonnen, doch seine Liebe zur körperlichen Belastung überwog alle Bedenken. Damit er umso schneller seinen „Neustart“ schaffen kann, bat er den ÖSV um spezielle Unterstützung im Trainerbereich. Sein Erfolgsmentor Günther Chromecek sagte seine Hilfe sofort zu.
Den Begriff „Comeback“ wollte Gottwald ebenso vermeiden wie Vergleiche mit Doppelweltmeister Todd Lodwick. Der Amerikaner hatte nach einer zweijährigen Babypause vergangene Saison bei der WM in Liberec überraschend zweimal Gold gewonnen. „Mir geht es nicht nur um Medaillen“, sagt Gottwald, sondern „um den Weg dorthin“. Es ist das Verlangen nach Qualen, Schweiß, Spaß und dem Genuss, Ski zu springen und langzulaufen. Und – er wolle wieder Teil der ÖSV-Familie sein. „Es ist ein so intensives Gefühl, dass es mir nichts ausmacht, auch bei Sauwetter zu trainieren.“
Mit Chromecek verstehe er sich blind und auch der Trainer, der sich nach den Spielen in Turin 2006 als Manager eines Golfplatzes und als Trainer der Schweizer Juniorenskispringer übte, ist voll Zuversicht, dass er seinen Ausnahmeathleten wieder zu Höchstleistungen inspirieren kann. Für beide sei es „die schönste Herausforderung“. Ängste, dass ausbleibende Erfolge Gottwalds Siegerimage ankratzen könnte, haben beide nicht. „Wir bilden die Trainingsgruppe zwei, es kommen noch zwei, drei Läufer zu Felix dazu“, erklärt Chromecek sein Vorhaben.
Vom Gedanken bis zur Ausführung und der Organisation bedurfte es auch eines gewissen logistischen Geschicks. Immerhin hatte der ÖSV bereits zuvor mit dem Norweger Baard Elden einen Cheftrainer bestimmt. Dass er Chromecek nun nicht als „Konkurrenten“ sieht, ist Anton Innauer zu verdanken. Ähnlich dem Vorbild der Biathleten sollen nun auch die Kombinierer in zwei Gruppen wieder an die Spitze herangeführt werden. Aber was sagt eine Sportgröße wie Innauer zu Gottwalds Neustart? „Für mich ist es eine besondere Freude, mit so einem Sportler zu arbeiten – er kann sich sehr gut artikulieren.“
Dass die sportliche Latte hoch hängt, ist allen Beteiligten bewusst. Binnen der vergangenen zwei Jahre habe sich der Sport grundlegend verändert. Es gebe nur noch einen Sprung, rechnet Gottwald vor, dafür aber stets einen 10-km-Lauf. Dem Loipenbewerb wurde mehr Gewicht verliehen, das könnte gerade ihm besonders in die Füße spielen. Allerdings muss er sich noch das richtige Equipment sichern. Knapp sechs Monate vor dem Saisonauftakt im finnischen Kuusamo steht er noch ohne Ausrüstervertrag da. Wer aber 14 Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften und 20 Weltcupsiege zu Buche stehen hat, muss sich in dieser Causa vermutlich keine Sorgen machen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2009)