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Flüchtlingsnotstand auf Ferieninsel Kos: Fähre soll Lage beruhigen

Die Fähre, die als Aufnahmezentrum dient
Die Fähre, die als Aufnahmezentrum dientREUTERS
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Die ersten Flüchtlinge kamen in den frühen Morgenstunden des Sonntags auf das Schiff. Es dient als Erstaufnahmezentrum. Vor Italien gab es erneut mindestens 50 Tote.

Mit der Registrierung auf einer eigens vor Anker gegangenen Fähre versuchen die griechischen Behörden seit Sonntag, des Flüchtlingsansturms auf der Insel Kos Herr zu werden. In der Nacht auf Sonntag begann die Erfassung syrischer Flüchtlinge, die auf der Fähre bleiben dürfen, während es auf der Insel kein Aufnahmezentrum gibt. Vor der italienischen Insel Lampedusa kamen indes erneut mindestens 50 Flüchtlinge ums Leben.

Auf der Fähre "Eleftherios Venizelos" im Hafen von Kos werden syrische Flüchtlinge registriert, die schon auf Kos ausharrten, sowie alle Neuankömmlinge. "Wir hoffen, dass das Verfahren jetzt etwas glatter läuft. Wir wollen einfach nur registriert werden, damit wir nach Athen fahren können", sagte Mohammed aus dem syrischen Aleppo.

Flüchtlinge aus anderen Staaten, die bereits vor Eintreffen der Fähre auf Kos waren, müssen sich dagegen weiter bei der Polizeiwache erfassen lassen, vor der sich täglich lange Warteschlangen bilden. Die Ungleichbehandlung führte am Sonntag zu Spannungen: An der Zufahrt zum Hafen protestierten rund zwei Dutzend Iraker und forderten, ebenfalls auf die "Eleftherios Venizelos" gelassen zu werden.

Bisher mussten tausende Menschen auf Kos unter widrigsten Bedingungen unter freiem Himmel schlafen, weil die Insel kein Aufnahmezentrum hat. Die Behörden sind seit Wochen mit der hohen Zahl der Flüchtlinge auf der Insel überfordert, die nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegt. Die Einwanderer warten dort oft tagelang auf ihre Registrierung, die notwendig ist, um die Erlaubnis zur Weiterreise aufs griechische Festland zu erhalten.

Überfälle auf Boote

Bei der Fahrt nach Kos in wackeligen Holzbooten oder Schlauchbooten von der Türkei aus kommt es offenbar in jüngster Zeit zu Überfällen auf die Flüchtlinge. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen äußerte sich am Samstag besorgt über entsprechende, sich ähnelnde Berichte von Flüchtlingen.

Ein Flüchtling berichtete einer Nachrichtenagentur: "Große, mit Gewehren, Stöcken und Messer bewaffnete, maskierte Männer näherten sich unserem Schlauchboot, durchlöcherten es und warfen unseren Motor ins Wasser." Manche Flüchtlinge machten laut Ärzte ohne Grenzen die griechische oder türkische Küstenwache verantwortlich - für Griechenland wies dies der Chef der Einwanderungspolizei, Zacharoula Tsirigoti, energisch zurück.

Auf Kos war es am Dienstag zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen, als diese 2.000 Migranten zur Registrierung in ein Fußballstadion brachte. Seitdem wurden tausende Flüchtlinge, die teils seit Wochen am Strand und auf den Straßen schliefen, aufs griechische Festland gebracht. Die Zahl der Flüchtlinge auf Kos sank laut Polizei von 7.000 auf 2.500.

Neues Drama vor Italien

Vor der italienischen Küste ereignete sich indes ein neues Flüchtlingsdrama: Auf einem völlig überladenen Fischerboot zwischen der libyschen Küste und der Insel Lampedusa entdeckte die italienische Marine am Samstag die Leichen von mindestens 50 offenbar im Laderaum erstickten Menschen.

312 weitere Flüchtlinge, darunter 45 Frauen und 3 Kinder, konnten von dem Boot gerettet werden, wie Marinekapitän Massimo Tozzi der Nachrichtenagentur AGI sagte. "Wir haben eine erschütternde Szene miterlebt", sagte Tozzi. "Zahlreiche Leichen trieben an der Oberfläche, zwischen menschlichen Exkrementen und Treibstoff."

Schlepper pferchen oft diejenigen im Laderaum zusammen, die am wenigsten für die gefährliche Überfahrt bezahlen - meist Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara. Viele ersticken wegen Sauerstoffmangels oder Motorabgasen.

"Diese Tragödie wird nicht die letzte sein, wenn die Staatengemeinschaft keine Lösung für die Krise in Libyen findet", erklärte Italiens Innenminister Angelino Alfano. Vergangene Woche waren beim Untergang eines Flüchtlingsbootes aus Libyen mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

(APA/Reuters)