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Expansion: Telekom lässt die Finger von Serbien

Serbien will über die Privatisierung seines Telekomkonzerns das Budget sanieren.(c) Telekom Srbija
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Der neuerliche Poker um die Telekom Srbija findet ohne Telekom Austria und ihre Mehrheitseignerin America Movil statt. Zu teuer und zu wenig profitabel, lautet das Argument.

Wien. Serbien ist und bleibt ein schwieriges Pflaster für die Telekom Austria: Gestern, Montag, hat Premierminister Aleksandar Vucic bekannt gegeben, dass die Regierung alle acht unverbindlichen Offerte für die mehrheitlich staatliche Telekom Srbija akzeptiere und hat auch die Namen der Interessenten bekannt gegeben. Die Telekom Austria ist definitiv nicht dabei – und auch nicht ihr Mehrheitseigentümer America Movil (Amex) mit einem gesonderten Offert, wie „Die Presse“ aus Konzernkreisen erfuhr.

Die Telekom war schon 2011 am Drücker. Sie scheiterte jedoch am Preis – während der Konzern für 51 Prozent 1,1 Mrd. Euro geboten hatte, verlangte Belgrad 1,4 Mrd. Euro. Zwei Jahre später ging es um den Einstieg beim größten Kabel-TV- und Breitbandinternet-Anbieter Serbia Broadband (SBB). Dafür hätte die Telekom bis zu einer Mrd. Euro auf den Tisch legen müssen. Angesichts der gleichzeitig laufenden Frequenzauktion (die die Telekom letztlich eine Mrd. Euro kostete) war das ein nicht bewältigbares Unterfangen.

Jetzt geht es wieder um den Preis. Vucic steht unter Druck des Internationalen Währungsfonds und will mit der Privatisierung das Budget so weit sanieren, um das Vertrauen von Investoren wiederherzustellen. Dem Land droht die vierte Rezession seit dem Jahr 2009. In Summe steht der Staatsanteil von nunmehr 58,11 Prozent zur Disposition – um weniger als 1,1 Mrd. Euro verkaufe man nicht, signalisierte Vucic.

Womit er die Latte für die Interessenten, zu denen neben der Deutschen Telekom und Telekom Slovenije der größte russische Mobilfunker MTS und eine Reihe von Fonds (Advent, Apollo, Mid Europa Partners, CVC) zählen, sehr hoch gelegt hat.

Angesichts der geringen Profitabilität und der notwendigen Restrukturierungen seien die Preiserwartungen viel zu hoch, meint ein Kenner der Materie. Womit er den Nagel auf den Kopf getroffen haben dürfte: Die Telekom Srbija, die 9000 Mitarbeiter hat, steigerte im ersten Halbjahr 2015 zwar den operativen Gewinn (Ebitda) um 5,7 Prozent auf 16 Mrd. Dinar (130 Mio. Euro). Der Umsatz lag bei 47,4 Mrd. Dinar (3,93 Mrd. Euro). Zum Vergleich: Die Telekom Austria erwirtschaftete bei einem Halbjahresumsatz von 1,938 Mrd. Euro ein Ebitda von 665,3 Mio. Euro.

 

Interessantere Möglichkeiten

Zudem ist die Telekom Austria schon in Serbien mit dem drittgrößten Mobilfunker Vip Mobile tätig. Bei einem Einstieg in die Telekom Srbija müsste sich die Telekom aus kartellrechtlichen Gründen höchstwahrscheinlich von ihm trennen.

Und nicht zuletzt gebe es interessantere Märkte und Zukaufmöglichkeiten – etwa in Rumänien, Polen oder Tschechien, hieß es. Was auch Amex-Finanzvorstand Carlos Garcia Moreno, der auch Vize-Aufsichtsratschef der Telekom ist, kürzlich gegenüber Reuters bestätigte. Die Amex wolle bis 2020 ihren Umsatzanteil in Europa von derzeit sieben auf 15 Prozent verdoppeln. Das Wachstum soll vor allem aus Osteuropa kommen, wofür die Telekom die Expansionsplattform darstellt.

Auch aus diesem Grund dürfte die bereits hinter den Kulissen angedachte Kapitalerhöhung von bis zu 2,5 Mrd. Euro nicht vom Tisch sein. Derzeit bestehe keine Dringlichkeit, aber sollte ein konkretes Projekt auftauchen, werde man darüber reden, hieß es.

Geld könnte die Telekom Austria allerdings auch für ihre bestehenden Beteiligungen brauchen. Denn es wird nicht völlig ausgeschlossen, dass die Telekom aufgrund der schleppenden Wirtschaftslage bzw. der Rubelabwertung in Weißrussland zum Jahresende Wertberichtigungen vornehmen muss. Im Vorjahr kostete die 400 Mio. Euro schwere Wertberichtigung für Bulgarien die Telekom den Gewinn. Nach wie vor läuft das Geschäft in Bulgarien, aber auch in Slowenien holprig. In Weißrussland hat die Rubel-Abwertung im Halbjahr den zweistelligen Umsatz- und Gewinnzuwachs aufgefressen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2015)