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Champions-League-Quali: Von Kindheitsträumen und Parolen

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Rapid steht gegen Schachtar Donezk vor der letzten Hürde auf dem Weg in die Königsklasse. Die Hütteldorfer gelten als krasser Außenseiter: „Donezk hat keine Schwächen.“

Wien. Eine elektrisierende Stimmung ist garantiert, wenn Rapid am Donnerstag (20.45 Uhr, live in ORF 1) im Wiener Ernst-Happel-Stadion im Play-off zur Champions League Schachtar Donezk empfängt. Das Spiel wird ausverkauft sein, 47.500 Fans wollen die Hütteldorfer kämpfen und siegen sehen. Vor dem Anpfiff wird die Champions-League-Hymne ertönen, sie ist ein Garant für Gänsehaut, bei Spielern wie Zuschauern. „Die Champions League“, sagt Thanos Petsos, „ist ein Kindheitstraum.“

Für bei österreichischen Vereinen engagierte Spieler geht dieser Traum nicht alljährlich in Erfüllung, „man schaut sich die Spiele Dienstag und Mittwoch im Fernsehen an“, erklärt der Grieche, der vor zwei Jahren Fürth für Wien verließ. Petsos wittert wie seine Mannschaftskollegen eine Chance, er glaubt fest daran, gegen Donezk „den nächsten Schritt“ machen zu können. „Wir haben keine Angst, wollen wie in den vergangenen Spielen als Einheit auftreten. Ich bin gespannt, wie wir uns schlagen.“ Für Petsos und Co. bietet sich beim Duell mit dem ukrainischen Vizemeister zugleich die Möglichkeit, sich in die Notizblöcke internationaler Scouts zu spielen. Vertreter von Manchester City, Everton, Mönchengladbach, Leverkusen, Stuttgart oder Fenerbahce Istanbul haben sich angesagt. „Wir wissen, dass das Transferfenster bis 31. August geöffnet ist. Bis dahin kann noch viel passieren“, bemerkt Trainer Zoran Barišić, der im Speziellen um den Verbleib von Stürmer Robert Berić bangt.

 

Schwächen unter der Lupe

Barišić möchte vor dem so wichtigen Spiel aber nicht über mögliche Veränderungen im Kader sprechen, er richtet seinen Fokus einzig und allein auf das Spiel gegen Donezk. 17 Pflichtspiele in Folge hat Rapid zuletzt nicht verloren, Barišić bleibt dennoch Realist. „Wir sind krasser Außenseiter“, betont der 45-Jährige, Schachtar eine „riesige Herausforderung“.

Auf den Gegner angesprochen gerät der Wiener ins Schwärmen. Donezk sei in der Defensive sehr stabil, offensiv verfüge die vom Rumänen Mircea Lucescu betreute Mannschaft über sehr hohe, individuelle Qualität. Barišić denkt dabei an die vielen Brasilianer im Team der Ukrainer, etwa an den 23 Millionen Euro schweren Spielmacher Alex Teixeira oder Taison und Marlos am Flügel. „Donezk“, erklärt Barisic, „hat keine Schwächen. Man muss sie schon mit der Lupe suchen.“

Rapids Trainer hat mehrere Spiele von Schachtar studiert, auch das 3:0 in der Champions-League-Qualifikation gegen Fenerbahce gesehen. „Da waren sie außergewöhnlich gut.“ Den spielstarken Gästen werde man nur mit viel Laufarbeit, Disziplin und Kampfkraft entgegenwirken können, „wir müssen Eins-gegen-eins-Situationen vermeiden, versuchen, Überzahlsituationen herzustellen“. Die Schwierigkeit der Aufgabe ist unbestritten, „wir sind weit davon entfernt, Parolen auszugeben“, sagt Barišić, der hofft, dass seine Mannen trotz der Wichtigkeit der Partie locker und befreit aufspielen.

Im Fall des Scheiterns wäre Rapid zumindest für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert, „damit haben wir ein großes Ziel bereits erreicht“. Die Lust auf mehr ist freilich da. Mit dem Aufstieg könnte der Rekordmeister sogar Geschichte schreiben. Noch nie zuvor ist es einer Mannschaft außerhalb der Top-Ten-Nationen gelungen, abseits des sogenannten Meisterweges die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Der Druck laste jedenfalls zur Gänze auf den Ukrainern, die in der Vorsaison das Achtelfinale der Königsklasse erreichten, dort an den Bayern scheiterten. Genau darin sieht Barišić die große Chance Rapids: „Schachtar muss, wir können in die Champions League.“


MÖGLICHE AUFSTELLUNGEN

Rapid: Novota – Pavelic, Sonnleitner, M. Hofmann, Auer – Petsos, Grahovac – Schobesberger, S. Hofmann, F. Kainz – Berić
Donezk: Schachtar: Pjatow – Srna, Ordez, Rakitiskij, Schewtschuk – Fred, Stepanenko – Marlos, Alex Teixeira, Taison – Gladkij

AUF EINEN BLICK

Rapid nimmt heute Abend (20.45 Uhr, live, ORF eins) gegen Schachtar Donezk Anlauf, zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte nach 1996 und 2005 die Gruppenphase der Champions League zu erreichen. Die Königsklasse ist lukrativer denn je, sie garantiert jedem Klub 14 Millionen Euro an Einnahmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2015)