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Champions League: Rapid unterliegt Donezk

CHAMPIONSLEAGUE PLAY OFF: RAPID WIEN - SCHACHTAR DONEZK
Louis Scaub (Rapid) gegen Marcio Azevedo (Donezk)APA/HERBERT PFARRHOFER
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Rapid Wien hat sich im Play-off-Hinspiel zur Champions League Schachtar Donezk mit 0:1 geschlagen geben müssen.

Es war ein Duell der Gegensätze, das Mittwochabend im Wiener Ernst-Happel-Stadion stattfand. Rapid empfing im Play-off zur Champions League mit Schachtar Donezk nicht den namhaftesten Gegner, Manchester United wäre da schon die prominentere Variante gewesen. Aber Schachtar ist eine fixe Größe in der Königsklasse, im Vorjahr erreichten die Ukrainer immerhin das Achtelfinale, scheiterten dort an Bayern München. Ein Blick auf die Marktwerte der beiden Teams sagte im Vorfeld der Begegnung schon viel aus. Während der Kader Rapids 20 Millionen Euro schwer ist, bringt es jener Schachtars auf den siebenfachen Wert. Alleine der brasilianische Edelzangler der Gäste, Alex Teixeira, ist mit 23 Millionen Euro wertvoller als die gesamte Rapid-Mannschaft.

Teixeira ist einer von zehn Brasilianern im Kader Schachtars, gegen Rapid fanden sich schließlich fünf Herren vom Zuckerhut in der Startelf wieder. Mircea Lucescu, der Trainer der Ukrainer, hatte vor Österreichs Rekordmeister gewarnt. „Vielleicht hat Rapid nicht den ganz großen Namen, aber dieses Team hat Ajax ausgeschaltet. Ich habe meine Mannschaft so eingestellt, als würde sie gegen eine ganz große Mannschaft spielen“, sagte der Rumäne. Seine Elf sollte ihn anfangs nicht enttäuschen, sie ergriff umgehend die Initiative. Der agile Innenverteidiger Rakitskiy prüfte mit einem Schuss aus 30 Metern Goalie Novota schon in der dritten Minute.

Ein Schuss, ein Schock

Doch die Wiener, von über 46.000 Fans gewohnt lautstark unterstützt, versteckten sich nicht und wurden in der siebenten Minute mit einem Schaub-Kopfball selbst aktiv. Die erste Halbzeit sollte eine unterhaltsame werden, beide Seiten kamen zu Chancen. Eine Pavelic-Hereingabe fälschte Rakitskiy beinahe in das eigene Tor ab, tausenden Anhänger blieb der Jubel im Hals stecken (10.). Auch Beric (10.) und Schaub (18.) setzten sich in Szene, die beste Möglichkeit der Grün-Weißen aber fand Kainz in der 43. Minute vor. Nach einem Pass von Auer nahm der 22-Jährige im Strafraum Maß, nur eine Glanztat von Schlussmann Pyatov verhinderte das 1:0. Wie knapp Freud und Leid im Fußball beieinander liegen, erfuhr Rapid nur Sekunden später.

Praktisch im Gegenzug verwertete Marlos eine Flanke Rakitskiys, die Zuteilung in der Hütteldorfer Hintermannschaft hatte in dieser Szene überhaupt nicht gepasst (44.). Kurzfristig war so auch Schachtars Ärger über den nicht gegebenen Elfmeter in der 29. Minute verflogen – Schaub hatte Teixeira zu Fall gebracht.

Rapid hatte in der jüngeren Vergangenheit öfters Erfahrung mit Rückständen gemacht. Etwa im Hinspiel gegen Ajax Amsterdam oder zuletzt in Graz, beide Male verwandelte man ein 0:2 noch in ein 2:2. Die Wiener also schöpften Kraft aus dem Wissen, mit derartigen Situationen umgehen zu können. Schaub befeuerte die Hoffnung auf eine Wende mit einem Schuss von der Strafraumgrenze in der 54. Minute. Rapid glaubte weiter an sich und seine Chance, agierte aber nicht zwingend genug, um das erfahrene Donezk nochmals ins Wanken zu bringen. Es fehlten die Überraschungsmomente im Spiel, auch Steffen Hofmann konnte sie an diesem verregneten Abend in Wien nicht erzeugen. Der Kapitän machte eine seiner schwächeren Partien, die Fans feierten ihn trotzdem wie gewohnt als „Fußballgott“. Das 0:1 war die erste Niederlage Rapids nach 17 Pflichtspielen ohne Pleite.

Im Rückspiel nächsten Dienstag in Lemberg benötigen die Wiener also ein kleines Wunder, um doch noch in die Champions League einzuziehen. Sollten die Wiener scheitern, spielen sie in der Gruppenphase der Europa League.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2015)