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Salzburg: Angst vor Deutschen-Ansturm

(c) APA (Roland Schlager)
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Salzburgs Uni ist für deutsche Studenten nach dem Aus für Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen noch attraktiver. „Wir können nicht abschätzen, wie viele Studierende durch die veränderten Bedingungen nach Salzburg kommen wollen“, so Vizerektor Mosler.

Salzburg. Rudolf Mosler, Vizerektor für Lehre an der Universität Salzburg, macht sich Sorgen, wenn er an den Beginn des kommenden Wintersemesters denkt. Er weiß nicht, wie viele junge Menschen aus Deutschland ein Studium in Salzburg beginnen wollen. Ein Ansturm von deutschen Studierenden auf Salzburg könnte dazu führen, dass es in ohnehin schon überlaufenen Fächern wie Kommunikationswissenschaften oder Pädagogik noch enger wird. Bereits jetzt wissen die Verantwortlichen kaum, wie sie das Interesse in begehrten Fächern bewältigen sollen.

Neu ist, dass durch den Wegfall der Studiengebühren und das weitgehende Fehlen von Zugangsbeschränkungen die grenznahe Universität Salzburg für Studenten aus dem Nachbarland besonders attraktiv geworden ist. Dazu kommen praktische Überlegungen: Die Lebenshaltungskosten in München sind höher als im ohnehin nicht billigen Salzburg. „Wir können überhaupt nicht abschätzen, wie viele Studierende durch die veränderten Bedingungen nach Salzburg kommen wollen“, sagte Mosler der „Presse“.

 

Inskriptionsbeginn vorverlegt

Damit die Universität kurzfristig reagieren kann, wurde der Inskriptionsbeginn von September auf 6. Juli vorverlegt. So kann man vielleicht noch rechtzeitig zusätzliche Lehrveranstaltungen einschieben und neue Hörsäle organisieren. Für Ärger sorgt in Salzburg vor allem der Umstand, dass völlig unklar ist, welche Rechtslage bei den Zugangsbeschränkungen im Oktober gelten wird, weil die Novelle des Universitätsgesetzes noch nicht beschlossen ist. Die Vorbereitungen müssen aber schon jetzt getroffen werden, will man im Herbst nicht im Chaos versinken.

Für die Kommunikationswissenschaften plant die Universität derzeit zwei Blocklehrveranstaltungen als Studieneingangsphase. Wer diese schafft, kann das Fach fortsetzen. Die Lehrveranstaltungen sollten vor allem der Orientierung und Selbstüberprüfung dienen, sagte Mosler. Bisher gab es in den Kommunikationswissenschaften in Salzburg 400 bis 500 Voranmeldungen für die Aufnahmeprüfung im Herbst. Angetreten sind dann meist rund 300, die sich um 280 Plätze bewarben. „Von den Ressourcen her wäre es sinnvoll, nur 200 aufzunehmen“, weiß Mosler. Doch wie viele es im Herbst sein werden, kann er nicht abschätzen.

In der Psychologie, wo ähnlich wie in der Medizin eine Quotenregelung eingeführt wurde, stehen in Salzburg 75 Prozent der 246 Plätze für Anfänger Österreichern zur Verfügung. Überhaupt nicht abschätzen lässt sich der Andrang in Fächern wie Politikwissenschaft, Soziologie oder Pädagogik, die traditionell einen hohen Anteil an Studierenden aus dem Ausland haben. „Im Notfall müssen wir zusätzliche Lehrveranstaltungen aus dem Boden stampfen“, so Mosler.

Probleme gibt es aber nicht nur beim fehlenden Personal für mehr Lehrangebote, sondern auch bei den Räumlichkeiten. Zu viele Studierende könnten ein wichtiges Ziel der Universität Salzburg konterkarieren: Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre war es, die Qualität der Lehre zu verbessern. Viele innovative Konzepte wie der starke Einsatz von E-Learning wurden umgesetzt.

Insgesamt studieren an der Universität Salzburg rund 13.000 Menschen, davon etwa 20 Prozent aus dem Ausland. Schon jetzt kommen die meisten ausländischen Studierenden aus Deutschland.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2009)