Deal: Rettet Katar Polens marode Werften?

Die Werften in Stettin und Gdingen sind verkauft, die Arbeitsplätze wackeln.

Warschau. Ein Wunder sei geschehen, lauten die Schlagzeilen in Polen. Mit großer Erleichterung wird der Verkauf der Werften in Szczecin (Stettin) und Gdynia (Gdingen) aufgenommen. Es sei in diesen Tagen gelungen, verkündete der polnische Finanzminister Aleksander Grad geradezu euphorisch, nach monatelangen Verhandlungen beide Unternehmen an den Investor „United International Trust“ zu veräußern. Dieser ist auf den Niederländischen Antillen registriert und habe das beste Angebot vorgelegt.

Privatisierung auf EU-Druck

Für die Werft in Gdynia werden 288 Millionen Zloty (etwa 65 Millionen Euro) bezahlt, für das Unternehmen in Stettin 164 Millionen (rund 36,5 Millionen Euro). „Jetzt sieht man, dass es sich gelohnt hat, mit der EU-Kommission diese Art der Privatisierung auszuhandeln“, erklärte der Minister. „Was heute passiert ist, ist die Krönung all unserer Bemühungen.“

Die EU-Kommission hat von Polen verlangt, die drei Werften in Stettin, Danzig und Gdingen zu privatisieren. Grund für das Eingreifen aus Brüssel war, dass der polnische Staat die Standorte in den vergangenen Jahren mit mehreren hundert Millionen Euro subventioniert hat. Nach Ansicht der EU-Kommission eine eklatante Wettbewerbsverzerrung.

Die Diskussion um die Privatisierung der Werften wurde in Polen sehr emotional geführt. Zuletzt hat sich immer wieder Lech Walesa zu Wort gemeldet. Bei den Verhandlungen über die Zukunft der polnischen Werften könnten nicht nur wirtschaftliche Kriterien angelegt werden, forderte der ehemalige Chef der Gewerkschaft Solidarität. „Die Werften sind das Mahnmal dafür, wie die Menschen für Recht und Freiheit gekämpft haben“, sagte Lech Walesa.

Finanzminister Grad erklärte, dass bei den Verhandlungen immer auch das Wohl der Arbeiter im Vordergrund gestanden habe. Die wichtigste Nachricht sei deshalb, dass die Verhandlungspartner von „United International Trust“ bestätigt hätten, dass der Werftbetrieb auch in Zukunft aufrechterhalten werden solle.

Unbekannter Käufer

In die Freude über die vorläufige Rettung der Standorte mischt sich allerdings auch einiges Unbehagen. Niemand weiß genau, wer sich hinter dem „United International Trust“ in Wahrheit verbirgt. Es heißt, dass die Geldgeber aus dem Emirat Katar kämen.

Zudem heißt es, die Werften würden ohne Bedingungen und durch die Abwicklung schuldenfrei an den Investor übertragen. Das heißt auch, dass es keine Garantie für Arbeitsplätze gibt. „Der Käufer muss sich in den nächsten Tagen zu erkennen geben“, erklärt Krzysztof Fidura, Sprecher der Gewerkschaft Solidarität der Stettiner Werft. „Im Moment haben wir es lediglich mit Mittelsmännern zu tun.“ Dann erhoffen sich die Arbeiter auch Informationen darüber, wie viele von ihnen auch in den kommenden Wochen noch Arbeit haben werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2009)

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