Da der Ausgang des Familienstreits bei Porsche/Piech ungewiss ist, raten Analysten von beiden Aktien ab. Die Übernahme von VW durch Porsche ist gefloppt. Nun muss der Sportwagenhersteller zu Geld kommen.
Wien (jaz). Der Machtkampf zwischen Porsche und VW eskaliert zusehends. Und eine wichtige Rolle spielt dabei wieder einmal Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Nachdem der Wolfsburger Autokonzern die Gespräche über eine Fusion mit Porsche am Wochenende auf unbestimmte Zeit abgesagt hatte, sorgte Piëch am Montag für den nächsten Eklat. Ohne Angabe von Gründen blieb er einer Porsche-Aufsichtsratssitzung fern, in der wichtige Entscheidungen über die Zukunft des Unternehmens gefällt werden sollten. Piëch wird bei Porsche inzwischen langsam zur „Persona non grata“. Grund dafür ist unter anderem, dass er in der Vorwoche damit begann, öffentlich am Stuhl von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zu sägen. Die Porsche-Mitarbeiter quittierten dies, indem sie für die Unabhängigkeit von Porsche und gegen ihn demonstrierten.
„Von beiden Aktien die Finger lassen“
Für die Aktionäre der beiden Autohersteller bedeutet dieser Kampf nichts Gutes. Montagfrüh stürzten die Aktien deutlich ab. Im Tagesverlauf konnten sich zwar beide Papiere wieder erholen, dennoch raten die meisten Analysten von einem Einstieg ab. „Ich würde von beiden Aktien die Finger lassen“, zitiert das „Handelsblatt“ einen Händler an der Frankfurter Börse. Vor allem der Kurs von Porsche dürfte nach Ansicht der Börsianer künftig noch stärker leiden.
Denn Porsche ist in einer äußerst unangenehmen Lage. Der Sportwagenhersteller hat sein Ziel, die Dreiviertelmehrheit bei VW zu erhalten, nicht erreicht. Bislang hat Porsche etwas mehr als 50 Prozent der VW-Aktien und Optionen auf rund 20 Prozent. Diese Optionen kann Porsche aufgrund der bereits angehäuften Schulden von neun Mrd. Euro zur Zeit nicht einlösen. Die Banken wollen die Aktien – mit denen die Optionen hinterlegt sind – aber auch nicht mehr länger halten und machen zusätzlich bei den gewährten Krediten Druck. Ein Verkauf von VW-Aktien oder -Optionen – um so Geld zu bekommen – ist keine Möglichkeit, da der Kurs von VW fallen könnte. Und dies würde wiederum hohe Abschreibungen für das 50-Prozent-Aktienpaket nach sich ziehen.
Also muss der Sportwagenhersteller auf andere Weise zu frischem Geld kommen. Eine ist die Fusion mit VW. Der Konzern hat rund elf Mrd. Euro in der Kasse. Eine andere wäre eine Kapitalerhöhung durch die Eigentümerfamilien. Diese sind aber nicht sonderlich erpicht darauf, mehrere Mrd. aus anderen Anlagegütern abzuziehen und in das Unternehmen zu stecken. Zusätzlich sucht Porsche auch einen Großinvestor, der die Optionen für die VW-Aktien abseits der Börse übernimmt. Darüber soll es bereits Verhandlungen mit Investoren aus dem Nahen Osten geben.
Porsche steht jedoch unter gehörigem Zeitdruck. Laut Medienberichten steht bereits Ende Mai ein Refinanzierungsbedarf von über einer Mrd. an. Diese Berichte wurden von Porsche zwar dementiert, man habe die Refinanzierung bis zum März 2010 gesichert. Dennoch ist die Lage für das Stuttgarter Unternehmen ernst. Und auch die VW-Aktie könnte gehörig unter Druck kommen, wenn Porsche doch noch im großen Stil seine Anteile verkauft.
AUF EINEN BLICK
■Die Übernahme von VW durch Porsche ist gefloppt. Nun muss der Sportwagenhersteller zu Geld kommen, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Da dies zum Verkauf großer VW-Aktienpakete führen könnte, raten Analysten von beiden Papieren ab.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2009)