Finanzminister Geithner: US-Kreditmarkt bessert sich

Treasury Secretary Geithner attends a discussion on recession and recovery in Washington
Treasury Secretary Geithner attends a discussion on recession and recovery in Washington(c) REUTERS (Yuri Gripas)
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Die Kreditkosten sind rückläufig, der Markt taut langsam auf, erklärt der US-Minister. Die Arbeitslosigkeit werde in nächster Zeit dennoch weiter steigen. Geithner kündigt eine Reform der Finanzmarktaufsicht an.

Die Lage am US-Kreditmarkt hat sich nach Einschätzung von Finanzminister Timothy Geithner verbessert. Die Kreditkosten seien rückläufig und der Markt taue langsam auf, sagte er bei einer Veranstaltung des Magazins "Newsweek" am Montag in Washington. Dennoch würden die Verbraucher den gegenwärtigen Konjunkturabschwung noch schmerzlich zu spüren bekommen. Auch die Arbeitslosigkeit von derzeit 8,9 Prozent werde voraussichtlich noch einige Zeit weiter ansteigen, sagte Geithner. Die wirtschaftliche Erholung werde holprig verlaufen.

Geithner kündigte an, dass sein Ressort in den kommenden Wochen Vorschläge für eine breit angelegte Reform der Finanzmarktaufsicht vorlegen werde. Es gehe darum, die Risiken in der Branche zu reduzieren. In Hinblick auf die Bezahlung von Managern erklärte der Finanzminister: "Ich glaube nicht, dass unsere Regierung die Höhe von Abfindungen begrenzen sollte." Allerdings müsse es auch bei den Entschädigungszahlungen für Manager Veränderungen geben. Eine Reform könne dazu beitragen, dass Manager nicht auf Kosten ihrer Firma kurzfristige Risiken eingehen und dann auch noch hohe Abfindungen erhalten.

Die US-Wirtschaft generell hat sich nach Einschätzung von Geithner stabilisiert. Dies sei "ein wichtiger Anfang", sagte er. Der Weg aus der Wirtschaftskrise werde aber "holprig" werden. Es werde keine "stabile und geordnete" Erholung der Konjunktur geben, sagte der Finanzminister. Die Wirtschaft werde "anfällig" bleiben. Geithner wollte keine Prognose abgeben, ob die Wirtschaftskrise ihren Tiefpunkt bereits erreicht habe. US-Zentralbankchef Ben Bernanke hatte Anfang Mai gesagt, er erwarte bis Jahresende eine leichte Erholung der US-Wirtschaft.

Auch der Haushaltschef der US-Regierung sieht Anzeichen dafür, dass die wirtschaftliche Talfahrt Amerikas gestoppt ist. "Durch die Bäume ist ein Aufflackern von Sonnenstrahlen zu sehen, aber wir sind noch nicht über den Berg", hatte der Haushalts-Direktor des Präsidialamts, Peter Orszag, am Sonntag (Ortszeit) dem US-Fernsehsender CNN gesagt. Bei einer Erholung werde auch das Staatsdefizit schnell wieder sinken.

Derzeit bleibe die Wirtschaft jedoch schwach und das Defizit erhöht, sagte Orszag. Nach einer Schätzung der Regierung wird das Haushaltsloch im Fiskaljahr bis Ende September 12,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes hatte sich zuletzt überraschend stark gebessert. Zugleich verlangsamte sich der Rückgang US-Industrieproduktion.

US-Behörden wollen Kreisen zufolge amerikanische Großbanken vor dem Hintergrund zusammenbrechender Finanzinstitute zu höheren Abgaben an die staatliche Einlagensicherung FDIC zwingen. Ein bereits angekündigter einmaliger Sonderbeitrag solle auf die Vermögenswerte erhoben werden und nicht wie ursprünglich geplant auf die Kundeneinlagen, sagte eine mit dem Plan vertraute Person am Montag. Da Großbanken bei der Finanzierung im Vergleich zu kleineren Instituten meist weniger von Kundeneinlagen abhängen, würden sie durch den neuen Vorstoß stärker belastet. Die FDIC, die am Freitag zu einem Treffen zusammenkommt, äußerte sich nicht zu dem Bericht. Die FDIC versichert bis zu einem gewissen Betrag Sparkonten und Altersvorsorgekonten in den USA.

(APA)

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