Schnellauswahl

Drosseln merken sich bedrohliche Menschen

Spottdrossel
(c) AP (Chuck Fadely)
  • Drucken

Spottdrosseln können einen bestimmten Menschen unter Tausenden erkennen. Sie brauchen nur zwei Tage, um sich die Gesichtszüge einzuprägen.

Auf dem Campus der University of Florida leben 51.000 Menschen und eine nicht genau bekannte Zahl von Spottdrosseln. Von denen sieht – in den Augen der Menschen – eine so aus wie die andere. Umgekehrt gilt das nicht: Douglas Levy, ein Biologe, schickte Studentinnen zu Drosselnestern, sie simulierten eine Bedrohung, berührten den Nestrand leicht. Die lästigen Besucher kamen vier Tage hintereinander – immer auf anderen Wegen und in anderer Kleidung –, nach zwei Tagen hatten die Drosseln ihre Lektion gelernt und attackierten, wie bei Hitchcock. Kam hingegen an Tag fünf ein anderer Student, blieben die Tiere ruhig, zwei Tage brauchen sie, um sich die Gefahr einzuprägen.

Aber für gewöhnlich ist der Mensch keine Gefahr für sie, offenbar haben sie ihre Fähigkeit aus anderen Gründen erlernt. Vielleicht geht es um wirkliche Gefahren – Katzen –, vielleicht um einen detaillierten Blick auf die gesamte Umwelt. Das könnte erklären, warum Spottdrosseln beim Besiedeln von Städten besonders erfolgreich sind (Pnas, 18. 5.).

("Die Presse", Printausgabe, 19.05.2009)