Wenn es dem Unternehmen hilft, sind immer mehr Österreicher bereit, illegales Verhalten wie Bestechung und Bilanzfälschung zu akzeptieren. Jeder zweite meint, dass Betrügereien aber Chefsache sind.
"Brauchen Sie eine Rechnung oder machen wir es ein wenig günstiger?" Fragen wie diese dürften in Zeiten der Wirtschaftskrise immer öfter mit "Ja" beantwortet werden. Wie aus dem aktuellen "European Fraud Survey" der Unternehmensberatung Ernst&Young hervorgeht, sind immer mehr Österreicher bereit, illegales Verhalten zu akzeptieren. Wenn es dem eigenen Unternehmen hilft.
Europäer schenken, Österreicher zahlen
Die am ehesten akzeptierten illegalen Hilfsmittel sind echte Bestechung in Bar und indirekte durch Geschenke.
Gerechtfertigte Verhalten ("ja" in Prozent)
| Österreich | Europaweit | |
| Barzahlung an Geschäftspartner | 42 | 25 |
| Ungerechtfertigte Repräsentationsaufwendungen | 29 | 19 |
| Persönliche Geschenke | 14 | 24 |
| Falsche Angaben zur Unternehmenssituation | 7 | 8 |
Wirtschaftskriminalität wird steigen
Mehr als die Hälfte der europaweit Befragten erwartet, dass die Wirtschaftskriminalität im Unternehmen durch den Konjunkturabschwung steigen wird. In Österreich sind 40 Prozent dieser Meinung.
Während in Österreich vor allem äußere Einflussfaktoren das Betrugsrisiko steigern, sehen die Befragten in Europa die Gründe eher in den Unternehmen selbst. So meinen 86 Prozent in Österreich, dass Veränderungen im jeweiligen Geschäftsfeld neue Risikofelder für betrügerische Handlungen eröffnen. In Europa ist ein Drittel dieser Meinung.
Weitere Gründe, die in der Erhebung angegeben wurden sind
- Größerer Druck, das Unternehmen fortzuführen (43 Prozent in Österreich, 29 in Europa)
- Angestellte, die Vorteile aus Entwicklungen im Unternehmen ziehen (36 Prozent in Österreich, 23 in Europa)
- Inadäquate Prozesse (29 Prozent in Österreich, 28 in Europa)
- Nicht auf Anti-Betrug fokussiertes Management (Sieben Prozent in Österreich, 31 in Europa) sowie
- Kein Vertrauen ins Management (Sieben Prozent in Österreich, 29 in Europa)
Schummeln ist Chefsache
Schon jetzt glaubt aber nur weniger als ein Viertel der Befragten in Österreich, dass das Management immer aufrichtig handelt. Europaweit glauben das 39 Prozent. Außerdem ist da wie dort Betrug eindeutig Chefsache: 52 Prozent der Befragen in Österreich und 42 Prozent in Europa meinen, dass das größte Betrugsrisiko von der oberen Führungsebene ausgeht.
Für die Ernst & Young European Fraud Survey 2009 wurden im Zeitraum vom Februar bis März 2009 insgesamt 2.246 Interviews in 22 Ländern Europas durchgeführt. Befragt wurden Mitarbeiter und Führungskräfte aller Ebenen in Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten.Österreichweit wurden 100 Interviews durchgeführt, 45 Prozent davon fanden mit Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten statt.