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CERN: Forscher sorgen sich um andere Projekte

FRANCE CERN DETECTOR CMS
(c) EPA (Salvatore Di Nolfi)
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Seit der Verbleib Österreichs am CERN fix ist, sorgen sich Wissenschafter um andere internationale Beteiligungen. Viele Projekte wären ohne Kooperationen unmöglich. Kritik an der CERN-Beteiligung kommt von der Boku.

Die Freude über die Absage des Ausstiegs aus dem Europäischen Kernforschungszentrum CERN ist auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Österreich nicht ungetrübt. Nun sorgt man sich vor allem um internationale Beteiligungen, ohne die in vielen Bereichen für ein kleines Land wie Österreich nach Aussagen von Experten kaum Spitzenforschung möglich ist. Andere Forscher beklagen sich, dass es wichtigere Probleme gibt, als diejenigen, die am CERN untersucht werden.

Sorge um andere Beteiligungen

Ein Beispiel für die Abhängigkeit von internationalen Kooperationen ist das Stefann-Meyer-Institut für subatomare Physik (SMI). Das Institut, das auch am CERN beteiligt ist, bemüht sich unter anderem um eine Mitwirkung am Teilchenbeschleuniger FAIR in Darmstadt (Deutschland). Für ihre Experimente brauchen die Wissenschafter Anlagen, wie sie heute von einem Land alleine kaum mehr finanziert werden können. Nach dem Verbleib beim CERN hofft Eberhard Widmann vom SMI, dass keine anderen Beteiligungen dem Sparstift zum Opfer fallen.

Texte aufbereiten

Ein ganz anderes Projekt, das sich ebenfalls noch in der Vorbereitungsphase befindet, ist CLARIN. In dem EU-Forschungsvorhaben sollen Texte - von Literatur bis zu Datenbanken - aufbereitet und etwa für wissenschaftliche Zwecke nutzbar gemacht werden. Die Umsetzung des Projekts soll laut Gerhard Budin vom Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien 2010 erfolgen.

Linguisten hoffen auf Geld

Erfasst werden sollen dabei nicht nur geschriebene, sondern auch gesprochene Texte in verschiedenen Sprachen. Die Sache ist für Linguisten ebenso von Bedeutung wie für Geistes- und Sozialwissenschafter bis hin zu Historikern. Die gesamten Errichtungskosten betragen 104 Millionen Euro, die Betriebskosten pro Jahr 7,6 Millionen Euro. Die Hauptlast dabei werden die Niederlande und Deutschland tragen. Für Österreich gab es vor der CERN-Diskussion bereits mündliche Zusagen, Budin ist zuversichtlich, dass diese Zusagen auch halten.

Kritik von Klimaforscherin

Kurz vor Bundeskanzler Werner Faymanns Entscheidung, den CERN-Ausstieg nicht durchzuführen, hatte sich auch Umweltexpertin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur in Wien (Boku) gemeldet. Die Klimaforscherin ist der Meinung, es gebe wichtigere Probleme für die Wissenschaft zu lösen, als jene, die am CERN bearbeitet werden. Es nützte nichts, sich mit dem Verstehen der Welt im Innersten zu beschäftigen, wenn gleichzeitig Lebensgrundlagen mit atemberaubender Geschwindigkeit in selbstzerstörerischer Weise vernichten würden.

(Ag.)