Elizabeth Edwards: Bekenntnisse einer Politikerfrau

Elizabeth Edwards
Elizabeth Edwards(c) AP (Steve Helber)
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Die Frau des ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten John Edwards, entblößt sich, ihre Krebserkrankung und die Affäre ihres Mannes. Ausgespart bleibt dabei kein Detail.

Kein Detail bleibt ausgespart in dem selbstquälerischen Bekenntniszwang, der Elizabeth Edwards vor die TV-Kameras treibt. Nicht die Reaktion, als ihr Mann ihr seinen Seitensprung beichtet: „Ich habe geheult, geschrien, bin aufs Klo gerannt und habe gekotzt.“ Und auch nicht die Sexfalle, in die ihn die Nebenbuhlerin gelockt hat, als sie ihm angeblich vor dem Hotel auflauerte: „Du bist so scharf.“ Nur der Name „dieser anderen Frau“, das hat sich Edwards ausbedungen, muss ungenannt bleiben.

Es könnte eine der billigen Alltagstragödien sein, eine Geschichte von Betrug und Demütigung, wie sie in den Talkhows des Nachmittagsfernsehens ausgebreitet werden. Würde es sich nicht um die Ehefrau des Ex-Präsidentschaftskandidaten John Edwards handeln, die sich und ihre Familie in einem Seelendrama bereitwillig selbst entblößt. So schonungslos, wie die 59-Jährige das Stadium ihrer Krebserkrankung schildert, so offenherzig gibt sie in ihrem Buch „Resilience“ – Unverwüstlichkeit – ihre Intimsphäre preis.

Um ihr Werk nach allen Regeln der PR-Kunst zu vermarkten, hat sie zunächst die Tränendrüsenspezialistin Oprah Winfrey, die TV-Expertin für das Zwischenmenschliche, zu sich nach Hause eingeladen, ein riesiges Anwesen im idyllischen Chapel Hill in North Carolina. Ganz am Schluss des Drehs gab es dann auch für John Edwards kein Entrinnen mehr: Inmitten einer Galerie von Familienfotos legt Winfrey die Hand auf die Schulter des „Sünders“ und fragt nach seinem Befinden und dem seiner Ehe. Er presst ein paar unverbindliche Worte hervor, doch lieber möchte er dem Gast die private Basketballhalle vorführen: „Willst du einen Wurf probieren?“


Den Coup hat Winfrey längst gelandet. Raffiniert gesteuert sickerten die Enthüllungen peu à peu durch. Seither zieht Elizabeth Edwards von einer Talkshow zur anderen, „Time“ hat einen Auszug ihres Buches abgedruckt. Und die Nation fragt sich mit der berüchtigt scharfzüngigen „New York Times“-Kolumnistin Maureen Dowd entgeistert, was wohl in die intelligente Anwältin und Vorzeigepolitikerfrau gefahren ist. Eine betrogene Frau auf öffentlichen Rachefeldzug, eine radikale Therapie?

Dabei waren alle Sympathien auf ihrer Seite, als sie während des Wahlkampfs2004 vom Unfalltod ihres 16-jährigen Sohns im Jahr 1996 berichteten. Erst recht, als die Frau des demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten kurz nach der verlorenen Wahl an Brustkrebs erkrankte. Elizabeth Edwards wurde zur Heldin stilisiert. Nur wenige Tage, nachdem er zu Weihnachten 2006 seine abermalige Präsidentschaftskandidatur verkündet hatte, eröffnete John Edwards seiner Frau einen einmaligen Seitensprung – eine Lüge, wie sich später herausstellen sollte. Aus Angst vor einer Enthüllung bat sie ihn, die Bewerbung zurückzuziehen. Vergeblich. Dies würde nur mehr Fragen aufwerfen.

Elizabeth Edwards spielte mit, aber die Kandidatur stand unter einem unglückliche Stern. John Edwards wurde zwischen Barack Obama und Hillary Clinton aufgerieben. Ein 450-Dollar-Haarschnitt gab dem Staranwalt aus kleinen Verhältnissen, der sich gerne als Kämpfer gegen die Armut geriert hatte, den Rest. Er stieg frühzeitig aus dem Wahlkampf aus.

Das bittere Ende für den bald 56-Jährigen mit dem Sonnyboy-Image sollte aber erst noch kommen, als ihm das schmierige Supermarktblatt „National Enquirer“ zur Saurengurkenzeit im Vorjahr nachwies, dass die Affäre doch länger währte als ein üblicher One-Night-Stand – und dass sie nicht ohne Folgen geblieben sei. Im Februar 2008 hatte Rielle Hunter, so der Name der „anderen Frau“, ein Kind zur Welt gebracht. Edwards hatte die frühere Schauspielerin, eine Ex-Freundin des Schriftstellers Jay McInerney – verewigt als unersättliche Romanfigur Alison Poole in dessen „Story of My Life“ –, als Videofilmerin für die Wahlkampagne angeheuert. Inzwischen ermittelt ein Gericht, ob sie nicht Wahlkampfspenden erhalten hat. Ein Wahlhelfer gab zu, ihr Geld zugesteckt zu haben.

John Edwards streitet die Vaterschaft vehement ab, doch seine Frau musste sich von Oprah Winfrey die Frage gefallen lassen, ob Hunters Tochter nicht ihren eigenen Kindern ähnlich sähe.

Auf einen Blick

Elizabeth Edwards, 49, ist Anwältin und Frau von Ex-Präsidentschaftskandidat John Edwards. Sie haben vier Kinder, ein Sohn starb 1996, sie leidet an Krebs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2009)

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