Einige Antworten auf häufig gestellte Fragen zu den Festspielen.
Wer hat in Salzburg das Sagen? Wer entscheidet was? Was ist Salzburg wert im internationalen Musikbetrieb?
INTERNATIONAL gelten die Salzburger Festspiele als wichtigste Kulturinstitution aus Österreich, wichtiger sogar als die Wiener Staatsoper, sagen manche. Der Posten des Intendanten ist ein Meilenstein für die meisten Kulturmanager. Auch für Karrieren der Künstler sind die Festspiele wichtig.
DIESE EINMALIGKEIT ist gefährdet, weil es immer mehr Festivals, Orchester, gute Künstler gibt. Salzburg bekommt seit Jahren nicht viel mehr Geld. Die Realisierung von aufwendigen Eigenproduktionen mit den teuersten Spitzenkräften wird schwieriger.
DAS KURATORIUM muss einstimmig die Intendanten ernennen. Derzeit gibt es dort mehr „Rote“ als „Schwarze“: Peter Radel, Wilfried Haslauer stellen die bürgerliche Fraktion. Gabi Burgstaller, Heinz Schaden, Wilhelmine Goldmann sind Sozialdemokraten. Nicht stimmberechtigt ist Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer.
DER FINDUNGSKOMMISSION gehören neben Springer, der statt Brigitte Fassbaender den Dreiervorschlag für die Intendanz (Lissner, Pereira, Audi) erläutern wird, Clemens Hellsberg (Philharmoniker), Eva Wagner-Pasquier (Bayreuth) und der Galerist Thaddäus Ropac an. Den Philharmonikern werden Aversionen gegen Lissner und Pereira nachgesagt. Letztlich aber geht es vor allem darum, erstes Orchester in Salzburg zu bleiben. Diese Position wird durch jüngere, engagierte Klangkörper gefährdet.
DAS PROGRAMM des Festivals gestaltet das Direktorium: Neben dem Intendanten (jetzt Flimm) sind darin der kaufmännische Direktor (Gerbert Schwaighofer) und die Präsidentin Helga Rabl-Stadler vertreten, nicht aber Schauspielchef Thomas Oberender und Konzertchef Markus Hinterhäuser.
DIE MACHT IN SALZBURG hat formell der Intendant, in der Praxis reden aber viele mit, z. B. die Philharmoniker, die Präsidentin, die Politiker. Das macht manche Intendanten zornig, z. B. Gerard Mortier.
BEI FINANZPROBLEMEN müssen der Bund bzw. die öffentliche Hand einspringen. Die Festspiele haben einen weit höheren Eigenfinanzierungsanteil als z.B. Repertoire-Häuser. Werden weniger Karten verkauft, die teils dreimal so teuer sind wie anderswo, schlägt sich das sehr rasch in der Bilanz nieder.
ZAHLEN 2008 hatten die Festspiele insgesamt 252.216 Besucher. Einnahmen: 25,1 Mio. €. Budget: 50 Mio. Subventionen: 40 Prozent vom Bund, je 20 Prozent von Stadt, Land, Tourismusförderungsfonds. bp
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2009)