Saudische Truppen stoßen in den Jemen vor

Saudische Truppen werden an der Grenze zusammengezogen
Saudische Truppen werden an der Grenze zusammengezogenRoyal Saudi Army

Saudische Soldaten drangen am Mittwoch erstmals im jemenitischen Bürgerkrieg über die Grenze in den Jemen vor. Von dort waren ballistische Scud-Raketen abgefeuert worden.

Erstmals im seit März 2015 anhaltenden jemenitischen Bürgerkrieg sind saudische Bodentruppen über die Grenze in den Jemen vorgestoßen. Soldaten nicht näher definierter Militäreinheiten rückten einige Kilometer von der Grenzstadt Jizan aus in die nördliche Provinz Saada vor, um aufständische Houthi-Rebellen davon abzuhalten, Saudiarabien über die Grenze zu beschießen, wie der arabische Sender Al-Arabiya am Mittwoch berichtete.

Besonders brisant: Laut Augenzeugen sollen die schiitischen Houthi-Rebellen dort bis zu drei große ballistische Raketen vom sowjetrussischen Typ "Scud" gen Saudiarabien gestartet haben. Tatsächlich behauptete das auch das von den Houthi derzeit geführte jemenitische Verteidigungsministerium. Einem Offizier  zufolge sei ein E-Werk ins Visier genommen worden.

Scuds sind Kurzstreckenraketen mit Reichweiten von etwa 180 bis 450 Kilometer. Jemens Armee soll mindestens ein halbes Dutzend davon besessen und die meisten davon an die Houthi verloren haben. Allerdings behaupten die Saudis, im Zuge ihrer Luftangriffe viele Scuds zerstört zu haben. Und da der Begriff "Scud" so etwas wie eine populär-mediale Generalbezeichnung für ballistische Raketen dieser Art geworden ist, ist es möglich, dass es sich bei den gestarteten Raketen auch um andere Typen aus Jemens Arsenal handelte, etwa SS-21 "Scarab" (auch: "Tochka") oder noch weniger weit (unter 100 Kilometer) reichende "Frog"-Raketen.

Von "Patriot" abgefangen?

Saudiarabien bestätigte wenig später Behauptungen in sozialen Medien, wonach mindestens eine solche Rakete im Flug von Raketenabwehrsystemen (Modell "Patriot") zerstört worden sei.

Ältere Aufnahme einer Scud, hier der afghanischen Armee
Ältere Aufnahme einer Scud, hier der afghanischen ArmeeWikipedia/Davric

Seit dem Beginn der Luftangriffe einer saudisch geführten arabischen Militärallianz vor fünf Monaten zur Unterstützung der gestürzten jemenitischen Regierung hatten Houthi wiederholt saudische Stützpunkte unter anderem mit Granaten angegriffen und Grenzsoldaten getötet. Mindestens einmal soll eine Scud geflogen sein, dazu kursieren Behauptungen über einen verheerenden Scud-Einschlag auf einer saudischen Basis, die aber ziemlich fragwürdig sind.

In dem bitterarmen Land liefern sich die schiitischen Rebellen und Verbündete des geflohenen sunnitischen Präsidenten Abd Rabbu Mansour Hadi seit Monaten Gefechte. Zuletzt verloren die Houthi große Teile des Südjemen, kontrollieren aber immer noch weite Gebiete im Norden, ihrem eigentlichen Stammland. (WG)