Bauernbund-Präsident: "Handel diktiert Milchpreise nach unten"

Milchkannen
Bauernbund-Präsident: "Handel diktiert Milchpreise nach unten"www.BilderBox.com

Auf Europas Straßen protestieren Bauern gegen fallende Preise bei Milch und Schweinefleisch. Bauernbund-Chef Auer fordert für Österreich Maßnahmen gegen Dumpingpreise.

Schwere Zeiten für Österreichs Bauern: Angesichts des Preisverfalls bei Milch und Schweinefleisch fordert der Bauernbund von der heimischen Regierung die Einrichtung einer unabhängigen Agrarmarkt-Control zur Marktüberwachung. "Mit durchschnittlich 30 Cent Bauernmilchgeld produzieren die österreichischen Milchbauern derzeit auf Verlust", sagte Bauernbund-Präsident Jakob Auer.

Scharfe Kritik äußerte der Bauernbund-Präsident an der Preispolitik der drei großen Handelsketten Spar, Rewe und Hofer. Ein Milch-Erzeugerpreis von mindestens 40 Cent/kg netto sei nötig, damit die österreichischen Bauern kostendeckend produzieren können. "Der Lebensmittelhandel diktiert die Preise nach unten", kritisierte Auer.

Aber Österreich steht beim Milchpreisverfall nicht alleine da. Laut eines EU-Experten gibt es schriftliche Anfragen für Unterstützung von Landwirten unter anderem aus Polen, Tschechien, Ungarn, Litauen und Bulgarien. Im Gespräch sei unter anderem, direkte Einkommenshilfen der EU an Landwirte früher auszuzahlen aus üblich, also beispielsweise schon Mitte Oktober statt Anfang Dezember, so der Experte. Laut EU-Agrarkommissar Phil Hogan fließen jährlich rund 56 Mrd. Euro aus dem EU-Budget für die europäische Landwirtschaft und die Nahrungsmittelbranche.

Bauern leiden unter Importverbot

Die Wiedereinführung einer Quotenregelung lehnt Hogan jedoch ab. "Wir stimmen alle überein, die Marktorientierung der gemeinsamen Landwirtschaftspolitik beizubehalten", sagte der aus Irland stammende Kommissarl. Beim schon länger angekündigten Sondertreffen der EU-Landwirtschaftsminister am 7. September sollten Sofortmaßnahmen zur Hilfe von Bauern auf den Weg gebracht werden.

 

Hogan machte deutlich, dass Bauern vor allem in den neuen EU-Mitgliedsländern in der Mitte und im Osten Europas geholfen werden solle, insbesondere im Baltikum. Die Landwirte leiden dort besonders unter dem russischen Importverbot für westliche Lebensmittel. Allein Litauen hatte Hilfen für seine Bauern von 50 Millionen Euro gefordert.

 

 

Die EU-Quotenregelung für Milch war am 1. April nach mehr als drei Jahrzehnten ausgelaufen. Sie sollte das Angebot begrenzen und damit die Preise sowie das Einkommen der Landwirte sichern. Wer die erlaubte Quote überschritt, musste eine Abgabe zahlen.

 

(APA/dpa)