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„LED-Technologie birgt Risiken“

(c) Michaela Bruckberger
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Lichtdesigner Moritz Gieselmann und Materialforscher Paul Hartmann über das Licht, das nach dem EU-Verbot der Glühbirne im Vormarsch ist.

Die Presse: Das EU-Glühbirnenverbot rückt die LED-Technologie ins Rampenlicht. Leuchtet uns diese Technologie zukünftig den Weg?

Paul Hartmann: Die Entwicklung von LED-Technologien ist weit fortgeschritten. Dennoch gibt es noch Unklarheit, wie unterschiedliche Lichtspektren auf das menschliche Wohlbefinden einwirken. Gegenüber herkömmlichen Lichtquellen wie Glühlampen haben LED einen entscheidenden Vorteil: Sie sind in ihrer Lichtqualität und spektralen Bandbreite stark variierbar. Bisher gab es aber nur wenige Studien zum Einfluss von kommerziellen LED-Leuchtmitteln auf die Physiologie des Menschen. Was zählte, war die Energieeffizienz. Ob das das beste Licht ist, muss hinterfragt werden.


Was halten Sie vom Glühbirnenverbot?

Moritz Gieselmann: Mit Verboten Verbraucherentscheidungen zu lenken, halte ich für problematisch. In demokratischen Gesellschaften sollten Menschen selbst ihre Entscheidungen treffen dürfen. Nachdem durch die EU 2009 die Glühbirne verboten wurde und damit de facto ein Zwang zum Einsatz quecksilberhaltiger Leuchtstofflampen verbunden war, rückte – für mich eine positive Nebenwirkung – das Thema Licht ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Inzwischen werden Leuchtstofflampen von LEDs abgelöst, einer Technologie, die auf Grund ihrer Komplexität viele Chancen, aber auch einige Risiken birgt.


Sprechen wir über die positiven Auswirkungen von LED.

Hartmann: Der Mensch hat sich im Licht der Sonne entwickelt. Daher ist ein ähnliches Lichtspektrum wie das der Sonne für unser Auge eher verträglich als Energiesparlampen, die scharfe spektrale Anteile aufweisen und mit hoher Intensität in einem engen Wellenbereich strahlen. Schlechte Energiesparlampen zeigen zudem ein Flackern, das zu Unwohlsein und Kopfschmerzen führen kann.
Gieselmann: Von LEDs emittiertes Licht kann gut optimiert werden. Es kann eine homogene spektrale Verteilung der Wellenlängen erzielen und damit ein Licht erzeugen, das im visuellen Bereich dem Sonnenlicht ähnlich ist und daher einen hohen Sehkomfort bietet.

Wie wird sich der Alltag für Sie als Lichtdesigner verändern?

Gieselmann: Der Alltag des Lichtdesigners hat sich schon verändert, im professionellen Bereich kommen inzwischen überwiegend LED-Lösungen zum Einsatz. Da es LEDs in einer unüberschaubaren Anzahl von unterschiedlichen Lichtfarben und Qualitäten gibt, wird es um so wichtiger, für jede Anwendung das optimale Produkt auszuwählen. Aber auch für den Konsumenten ist der Markt unübersichtlich geworden: Früher gab es die Auswahl zwischen 40-, 60- und 100-W-Glühbirnen, heute steht er oft ratlos vor meterlangen Regalen mit verschiedensten LED-Lampen, Kompaktleuchtstofflampen und Halogenlampen. Er braucht mehr Informationen, die es ihm ermöglichen, eine für den jeweiligen Einsatz passende Entscheidung zu treffen.
Hartmann: Bei der Allgemeinbeleuchtung wird das Human Centric Lighting immer wichtiger. Abseits des Mainstreams im Baumarkt spezialisieren sich Firmen auf menschliche Lichtbedürfnisse. Am Morgen, beim Aufwachen, trägt ein Blauanteil zur Aktivierung bei. Am Abend wäre dieser Farbanteil jedoch kontraproduktiv, weshalb man sich zu späterer Stunde an die rötlichen Farben der Sonne orientiert, die aufs Schlafen gehen vorbereiten. Kaltweißes oder bäuliches Licht sollte man vermeiden. Das ist auch der Grund, warum man kurz vor dem Zubettgehen nicht zu lange auf Computer- oder Handybildschirme schauen soll. Das hemmt die Melatoninproduktion, man schläft schlechter.


Ein weiterer Punkt des Arbeitskreises ist Lichtverschmutzung. Was wird hier untersucht?

Hartmann: Lichtverschmutzung ist ein wichtiges Thema. Vom Weltall aus kann sie gemessen werden. Sie ist gerade in Städten groß, die ihre Straßenbeleuchtung großflächig auf LEDs umrüsten. Es gibt auch Untersuchungen, was für einen Effekt LEDs auf Flora und Fauna haben. Und etwa das Nist- und Brutverhalten von Vögeln beeinflussen. Karolina M. Zielinska-Dabkowska etwa beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf das Zugverhalten von Fischen.


Bleibt LED im Vormarsch?

Hartmann: LED wird auf alle Fälle eine Steigerung des Effizienzgrades erfahren. Auf der anderen Seite sehen wir in Zukunft eine Beleuchtung mit Laser. Sofern man alle Probleme gelöst hat, ist das ein weiterer Technologiesprung, in dem enormes Potenzial steckt.